„Wir haben keinen prinzipiellen Einwand gegen die Mitgliedschaft Großbritanniens und anderer Länder zu einem künftigen Zeitpunkt. Wir meinen aber, daß die Sechs zuerst sich über die Bedingungen dieser Mitgliedschaft und ihrer möglichen Konsequenzen für die Zukunft und das Wesen der Gemeinschaft einigen sollen“, sagte Staatspräsident Pompidou vorige Woche in Paris. Auf der ersten Pressekonferenz seiner Amtszeit nahm er – im Vergleich zu seinem Vorgänger de Gaulle anders in Manier und Stil, doch kaum anders in der Sache – Stellung zu nationalen und internationalen Fragen.

Nach den Äußerungen Pompidous vor 150 Journalisten aus dem In- und Ausland liegt der EWG-Beitritt Großbritanniens noch in weiter Ferne: Frankreich gibt auch weiterhin der Konsolidierung und Aktivierung der Sechsergemeinschaft den Vorrang und legt großen Wert auf die termingerechte Beendigung der EWG-Übergangsperiode am 31. Dezember dieses Jahres, die mit einer endgültigen Regelung des Agrarmarktes verbunden ist.

Erst dann könne das endgültige Stadium der Gemeinschaft beginnen, in dem Europa zu einer Realität werden müsse. In nicht allzu ferner Zukunft sollten die Regierungschefs der Sechs zusammenkommen, um freimütig alle jene Fragen zu erörtern, die Festigung und Entwicklung der Gemeinschaft garantieren könnten. Dabei müsse dann auch Klarheit über die Folgen einer Erweiterung der EWG erzielt werden, deren Struktur durch den Beitritt Großbritanniens „tiefgreifend“ verändert werden würde.

Diese Europa-Perspektive Pompidous entspricht dem Drei-Stufen-Plan, den der Staatspräsident vorige Woche mit seinem Kabinett diskutierte. Danach wurde bekannt, daß Frankreich keinen Widerspruch erheben will, wenn der EWG-Ministerrat auf seiner Sitzung am 26. Juli in Brüssel die europäische Gipfelkonferenz vorbespricht.