Von Wolfram Siebeck

Hier ist es", sagte unser Fahrer ergriffen. Nach tagelanger, anstrengender Fahrt hatten wir den idyllischsten Ort des Kontinents, als den er das abgelegene Dorf immer wieder geschildert hatte, erreicht. Langsam bogen wir um eine Hausecke, und vor uns lag der idyllischste Marktplatz des Kontinents – dicht beparkt mit Touristenfahrzeugen und Reisebussen.

Es ist unwahrscheinlich, daß die Astronauten eine ähnliche Situation vorfinden, wenn sie auf dem Mond landen. Neil Armstrong wird nicht einmal etwas sagen, wenn er als erster Mensch den Fuß auf den Erdtrabanten setzt, denn er ist allein. Erst 27 Minuten später verläßt Edwin Aldrin die Mondfähre, und er wird es wohl sein, der ausspricht, was Millionen Menschen zur gleichen Zeit denken: "Nun, wie isses?"

Dann werden die beiden ihr Mitbringsel auspacken, eine amerikanische Flagge aus Nylon, einen 2,40 Meter hohen Fahnenmast aus Aluminium, die rostfreie Stahltafel mit den Friedensbeteuerungen und die Sprechplatte der Staatsoberhäupter. Darob erhebt sich großer Jubel unter den Mondkälbern; denn, nichts kennzeichnet besser den Mann von Welt als die Wahl seiner Gastgeschenke. Daß sich die Verschnürung der Fahne ohne Schwierigkeiten lösen läßt und der Aluminiummast nicht klemmt, hoffen die Techniker von der Bodenstation in Kap Kennedy zuversichtlich: "Die Gefahr eines technischen Fehlers ist ziemlich gering."

Ich finde es wunderbar, daß die Gefahr technischer Fehler so gering ist. Denn mein Tagesablauf und der Tagesablauf von vielen Leuten, die ich kenne, wird weitgehend von technischen Fehlern bestimmt. Das fängt morgens mit dem zu klein konstruierten Hausbriefkästen an, aus dessen schmaler Öffnung geknickte Kunstzeitschriften in den Regen ragen, und hört mit klemmenden Reißverschlüssen auf, die mich zwingen, mit der Hose ins Bett zu gehen.

Und all das bloß, weil ich so naiv bin zu glauben, ein technisches Ding wie ein Reißverschluß funktioniere auf Anhieb. Die Astronauten wissen es besser und haben vor dem Start jeden Handgriff geübt und immer wieder geübt – das Hissen der amerikanischen Flagge allein über vierhundertmal.

Das macht denn auch den Nachsatz jenes Technikers in Kap Kennedy verständlich, der seiner optimistischen Prognose hinzufügte: "Viel unangenehmer ist uns die Vorstellung, daß einer der Astronauten Apollo 11 zur Kursänderung zwingen und in Kuba landen könnte."