Gert Buchheit: „Richter in roter Robe“; Freisler, Präsident des Volksgerichtshofes; List-Verlag, München 1968; 295 Seiten, 23,– DM.

Zwei kalte Augen, in denen plötzlich ein gefährliches Funkeln glimmt, eine gellende, sich überschlagende Stimme, ein Besessener“, so beschrieb Paul Sethe den Präsidenten des Volksgerichtshofes, Roland Freisler. Was Sethe in ein paar knappen Strichen gelang, Freisler als den Teufel in der roten Robe zu erfassen, der die Männer des 20. Juli an den Galgen brachte, versucht Gert Buchheit mit der vorliegenden Biographie. Er zeichnet den Weg Freislers nach, des blitzgescheiten jungen Anwalts aus Kassel, der sich den Nazis verschrieben hatte mit Haut und Haaren, um um jeden Preis als des Führers „politischer Soldat“ Karriere zu machen. Er bekam zwar nicht den Stuhl des Justizministers, wohl aber durfte er als Präsident des Volksgerichtshofes präsidieren. Buchheit hat viel Material zusammengetragen, er veröffentlicht aus Freislers Publikationen und doch bleibt die Biographie recht farblos. Gewiß, ein saubere Arbeit, aber der Atem stockt dem Leser erst, wenn er Auszüge aus den abgedruckten Verhandlungsprotokollen der Prozesse gegen die Männer des Widerstandes, gegen Witzleben, Hoepner, Hase, Wartenburg liest. Hier, in den Schimpftiraden gegen die, wehrlosen Angeklagten, zeigt sich der Dämon der Justiz des Dritten Reiches, der das Recht beugte und es zur Farce werden ließ. k