Von Willi Bongard

Conrad Ahlers war schneller. Noch bevor der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Professor Wilhelm Bauer, in Stellung gehen und den ersten Pfeil aus dem Köcher des letzten Sondergutachtens herausziehen konnte, feuerte der stellvertretende Regierungssprecher eine Wortsalve auf den "Rat der Weisen" ab.

Der Bundeskanzler, so erklärte Ahlers zu Beginn der Pressekonferenz am vergangenen Wochenende, wehre sich gegen eine "mit der Anmaßung päpstlicher Autorität vorgetragene Lehrmeinung". Im übrigen halte die Regierung an ihrem bisherigen Standpunkt weiterhin fest, nämlich die Mark nicht aufzuwerten.

Die "Vier Weisen", die nach Bonn geeilt waren, um ihr Sondergutachten zu erläutern und der Regierung noch einmal eine Aufwertung ans Herz zu legen, zuckten zusammen als sie von den neuerlichen Schmähungen der Bundesregierung hörten. Zwar dürften sie darauf gefaßt gewesen sein, daß sie mit ihren Argumenten, insbesondere mit der Empfehlung, die Mark aufzuwerten (oder entsprechende Ersatzmaßnahmen zu treffen), auch diesmal auf taube Ohren stoßen würden. Schließlich hatte sich der Bundeskanzler in dieser Frage vor zwei Monten erst "auf ewig" festgelegt, und Wirtschaftsminister Schiller war mit ähnlichen Vorschlägen, wie sie der Sachverständigenrat machte, eine Woche vorher abgeblitzt worden; aber die Tonart, in der Conrad Ahlers den Sachverstand des Sachverständigenrates anzweifelte, hatte etwas Verletzendes.

Den weisen Ratsherren Bauer, Giersch, Kloten und Schäfer langte es nun wirklich. Niemand würde sich gewundert haben, wenn sie ihre Aktenköfferchen gepackt hätten. Zum Glück betraten sie den großen Konferenzsaal erst 15 Minuten nach dem Auftritt Ahlers’. "Vielleicht wären wir tatsächlich zurückgetreten, wenn wir es mit angehört hätten", schmollte Professor Giersch noch drei Tage danach. Nicht auszudenken, wenn Bonn auf diese Weise den Verstand, den ökonomischen Sachverstand verloren hätte ...

Der "Oberweise" Professor Bauer behielt jedoch noch einmal die Nerven und verwahrte sich in wohlgesetzten Worten gegen den Vorwurf, der Rat hätte sich "den Mantel der Unfehlbarkeit umgehängt". Aber er ließ immerhin den Dolch eines Rücktritts aus der Tasche blitzen: "Wenn Prognosen auf der Basis der vorhandenen Werte und Erfahrungen abgelehnt werden, dann braucht die Regierung keinen Sachverständigenrat!"

Es ist noch gar nicht lange her, seit die Mitglieder des Sachverständigenrates, tatsächlich drauf und dran waren, der Regierung den Rücken zu kehren und ihren hochdotierten Job zu quittieren.