Die Form dieses Treffens war altmodisch und autoritär. Ein wirklicher Kontakt mit den Produzenten konnte nicht entstehen; denn wir haben in verschiedenen Hotels gewohnt und an verschiedenen Tischen gesessen“ –, so stellte ein junger Engländer den „Prix-jeunesse“-Tagen in München ruhig und „mit Respekt“, wie er betonte, ein schlechtes Zeugnis aus.

Ein neunzehnjähriger Kanadier sagte respektloser und direkter: „Ich bin ganz froh, daß sich am Verhältnis zwischen Alten und Jungen nichts ändern wird; denn um so eher werdet ihr...“ (sein Blick schien triumphierend alle zu streifen die nicht mehr zwanzig waren) „... um so eher werdet ihr erledigt sein.“

Solche und ähnliche Sätze fielen auf der Abschlußpressekonferenz der Münchner Tagung, auf der sich Teilnehmer aus 23 Nationen vier Tage lang mit Fragen des Jugendfernsehens beschäftigt hatten. Die Stiftung „Prix jeunesse international“, getragen vom Freistaat Bayern, der Stadt München und dem Bayerischen Rundfunk, veranstaltet alle zwei Jahre einen Wettbewerb für Kinder- und Jugendfernsehsendungen. In den Jahren zwischen den Wettbewerben traf man sich zu Seminaren, diesmal zum viertenmal; und zum ersten Male hatte man das „längst fällige Wagnis unternommen“ und junge Leute eingeladen: Man wollte aus erster Hand erfahren, was die Jugend vom Fernsehen erwartet.

Vorbereitet wurde das so: Im vergangenen Dezember hatten die „Prix-jeunesse“-Veranstalter die Fernsehstationen in aller Welt aufgefordert, eine ihrer Sendungen, die sie für besonders interessant hielten, einem sozial möglichst unterschiedlichen Kreis von Jugendlichen zwischen 16 und 21 vorzuführen. Die Jugendlichen sollten dann diskutieren; die Anstalten sollten ihren Film und dazu die gefilmte Diskussion nach München schicken. Achtzehn sandten ihre Beiträge ein. Acht wurden für das Seminar ausgewählt, und jeweils die zwei Jugendlichen, die aufschlußreiche Diskussionsbeiträge geliefert hatten, wurden als Teilnehmer nach München eingeladen.

An Vorschußlorbeer hatte es nicht gefehlt: „Damit bietet der Prix jeunesse eine neue Chance des internationalen Vergleichs und eine Gelegenheit zu Konsequenzen, die der Arbeit der Produzenten und Programmgestalter ebenso zugute kommen, wie den jungen Fernsehzuschauern.“ Hinterher äußerten sich nur noch die „Alten“ (und keineswegs alle von ihnen) positiv: Man gehe nun doch mit einigen „wertvollen Anregungen“ nach Hause. Die Jungen grollten: Sie nähmen wenig mehr als „eine Menge Frustration“ mit. Sie fühlten sich als Spielzeug in einem Spiel der Erwachsenen, und nicht als Mitspieler.

Wie kontrovers die Vorstellungen über Jugendsendungen sind, hatte sich besonders an der Frage der Partizipation gezeigt: Sollen Jugendprogramme möglichst viel Jugend zeigen? Oder sollen sie, gleichgültig welchen Inhalts, vor allen Dingen von Jugendlichen gemacht werden? Mit anderen Worten: Ist es wichtiger, Jugend vor der Kamera zu haben, oder hinter der Kamera?

Der einzige vage gemeinsame Nenner, auf den sich „jung“ und „alt“ einigten lautete schließlich: „Für die Behandlung von Jugendprogrammen müssen neue Denkmuster entwickelt werden.“ Doch man darf neugierig sein, wie ein neues Denkmuster aussehen mag, das aus „wertvollen Anregungen“ einerseits und aus „Frustrationen“ andererseits gewebt wird.

Cornelia Jacobsen