Das „Bombentor“, in enthusiastischen Fußballreportagen ein Synonym für den scharfen, treffenden Schuß mit dem Ball, ist wortwörtlich Wirklichkeit geworden. Flugzeuge der Luftwaffe von El Salvador bombardierten Tegucigalpa, die Hauptstadt von Honduras; Flugzeuge der Luftwaffe von Honduras warfen Bomben auf El Salvadors Hauptstadt San Salvador. Und das, weil El Salvador gegen Honduras und Honduras gegen El Salvador in Fußballspielen verloren haben.

Nationalmannschaften spielten. Nationalisten machten ernst. Geschlagen wurden nicht nur die Mannschaften, sondern auch die Zuschauer, die aus El Salvador in Honduras und jene aus Honduras in El Salvador. Es gab Verletzte und einige Tote. Die Armeen beider Staaten rückten, Gewehr im Anschlag, an die Grenze, an der sich prompt ein paar „Zwischenfälle“ ereigneten. In der Nacht zum Dienstag fielen dann die Bomben.

Seit amerikanische Studenten – die bei den Olympischen Spielen 1908 in London die meisten Goldmedaillen in der Leichtathletik erobert hatten – einen Löwen im Käfig über den Broadway von New York schleppten und der Botschafter des Vereinigten Königreichs in Washington Protest gegen die Verunglimpfung des britischen Wappentieres einlegte, hat man immer wieder diplomatisches Öl auf die vom Sport aufgeputschten Wogen der Leidenschaft gießen müssen. Und oft genug kam der Abpfiff des Wettkampfes aus den Trillerpfeifen der Polizei. Die Eishockey-Rivalität zwischen der ČSSR und der Sowjetunion mitsamt der Triumphdemonstration in Prag bot dafür das bislang tragischste Beispiel.

Sport mit Nationalmannschaften, so behaupten es kundige Psychologen, sei in der Regel eine Art Ersatzkrieg und somit auch ein Sicherheitsventil für die Spannungen zwischen den Nationen. Doch in El Salvador und Honduras (keiner weiß, wer angefangen hat) versagte das Ventil; der Ersatzkrieg ging in Krieg über. Welcher Schiedsrichter wird nun wann und wie eingreifen?

A. R.