DIE ZEIT

Fußball-Krieg in Südamerika

Das "Bombentor", in enthusiastischen Fußballreportagen ein Synonym für den scharfen, treffenden Schuß mit dem Ball, ist wortwörtlich Wirklichkeit geworden.

Devisen gegen Sicherheit

Die Bundesregierung hat bei dem jüngst abgeschlossenen deutsch-amerikanischen Abkommen über einen Devisenausgleich für die Truppenstationierung tiefer als vorher in die Tasche greifen müssen.

Angriff auf die Hierarchie

Nun, Reformen sind in der Kirche keine Erfindung der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Von der Diskussion der Urkirche, ob nur Juden oder auch Heiden getauft werden können, bis zum Unfehlbarkeitsstreit und der Abspaltung der Altkatholiken mußte sich die Kirche ständig mit neuen Ideen und Ideologien herumschlagen.

Liebesgrüße aus Moskau

Wohl noch nie, so sagen die Kenner des Kreml, hat ein sowjetischer Politiker so milde, so versöhnliche Töne gegenüber Amerika angeschlagen wie jetzt Gromyko.

Mond-Konkurrenz

Drei Tage vor dem angekündigten Start der Amerikaner schossen die Sowjets – ohne Ankündigung – ihre unbemannte Sonde "Luna 15" zum Mond.

Karl Schiller in der Talsohle

Zweieinhalb Jahre lang erlebte er – und genoß er – alle einsamen Höhen des politischen Erfolges. Niemand sonst unter den Ministern der Großen Koalition wurde so vom Erfolg verwöhnt wie Karl Schiller.

Auf Mission in Moskau

Willi Stoph, Ministerpräsident der DDR, ist für die Sowjets ein zäher Gesprächspartner

ZEITSPIEGEL

Das Deutsche Industrie-Institut der Arbeitgeberverbände hat sich nach Auffassung von Professor Oswald von Nell-Breuning, Jesuitenpater und Wirtschaftswissenschaftler, in den "Regeln der Logik und Grammatik" der lateinischen Sprache verheddert.

20. Juli 1944

Die Verschwörung mußte scheitern, weil die Alliierten die Signale nicht verstanden

Ein Franzose unter anderen

Die Form einer "Pressekonferenz" bot sich an. Schon wegen der "Continuité". Hat nicht General de Gaulle seine "Pressekonferenzen" im Elysée-Palast geliebt? Es waren Höhepunkte seiner Politik.

Der Zug zur Volksfront

Bei der letzten Präsidentschaftswahl erreichte der Kandidat der französischen Sozialisten nur fünf Prozent der Stimmen – 23 Prozent der Wähler waren der Partei nach Kriegsende gefolgt.

Die Alte und die Neue Linke

Die Neue Linke, die sich in der spätkapitalistischen Welt herausbildet, ist kein flüchtiges Phänomen, keine Mode, wie manche meinen, sondern Ausdruck einer tiefen gesellschaftlichen, politischen, geistigen Krise.

Partner im All?

Zweifellos sind sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Sowjetunion in der Lage, in Zukunft noch größere und noch teurere Raumabenteuer zu starten.

Nasenstüber für die Berliner SPD

In Berlin hat das Landgericht Wahlen zur Kreisdelegiertenversammlung und zum Landesvorstand der SPD durch Einstweilige Verfügungen das Urteil für ungültig erklärt.

Kleben, stempeln, putzen

Für die Essener Lehrherren und Meister stimmt die Welt nicht mehr. Ein "Aufstand der Lehrlinge" – so schreckte die Handwerkszeitung ihre Leser auf – drohe das ehrbare Handwerk mittels einer "anonymen Rufmordkampagne" in Mißkredit zu bringen.

Das Rennen zum Mond

Drei Tage vor dem Starttermin von Apollo 11 ist den Sowjets ein spektakulärer Überraschungsschuß gelungen: Sie starteten am vorigen Sonntag die unbemannte Sonde Luna 15, die nach einer Meldung der Nachrichtenagentur TASS der "weiteren wissenschaftlichen Erforschung des Mondes und seiner Umgebung" dienen soll.

Schattenkonferenz

Die Konsultativkonferenz der blockfreien Staaten hat zum Abschluß ihres viertägigen Treffens in Belgrad vorige Woche ihr Interesse an einer Gipfelkonferenz bekundet, die nach gründlicher Vorbereitung einberufen werden soll.

Kriegsspiele

Der "Fußballkrieg" zwischen Honduras und Salvador fand bei Wochenbeginn sein blutiges Finale. Die Streitkräfte der beiden mittelamerikanischen Länder fielen übereinander her, es regnete Bomben, und es gab eine "große Anzahl" von Verletzten.

Drei Stufen nach Europa

"Wir haben keinen prinzipiellen Einwand gegen die Mitgliedschaft Großbritanniens und anderer Länder zu einem künftigen Zeitpunkt.

Gromyko für Gipfeltreffen mit den USA

Der überraschend konziliante Ton und die Gesprächsbereitschaft gegenüber Washington und Bonn, die die Rede von Außenminister Gromyko vorige Woche vor dem Obersten Sowjet auszeichneten, haben in Ost und West große Beachtung gefunden (Auszüge siehe unten "Dokumente der Zeit").

Schwere Geburt

Die Bildung eines neuen Kabinetts, mit der Staatspräsident Saragat den christdemokratischen Ex-Premier Rumor vorige Woche betraute, versprach die schwierigste seit Kriegsende zu werden.

Wettlauf um die vielen

Natürlich sind Hitparaden der beliebtesten Fernsehsendungen barer Unfug: Sie kommen zustande, indem statistische Angaben über die deutschen Fernsehzuschauer falsch und entstellend gelesen werden.

Zu privat, zu privat

Das ist zu privat. Wer sprach da? Es war kein Entrüsteter, sondern eine ruhige, kultivierte Stimme. So wohlwollend und unbeirrbar hören sich heute die Instanzen an.

Das Theater und die Revolution

Kürzlich wurde in Kassel das Stück "La Naissance" (Die Geburt) des französischen Dramatikers Armand Gatti für Deutschland erstaufgeführt Der fünfundvierzigjährige Autor, der kämpferischen Linken angehörend, wollte mit diesem Stück nicht nur auf die Zustände in Guatemala aufmerksam machen, sondern auch zu Solidarisierungsaktionen veranlassen.

Kunstkalender

Dejeuner sur l’ herbe und Gabrielle d’Estree und La vierge et l’enfant, die Titel sind Orientierungshilfen für den Gebildeten unter Jacquets Betrachtern, damit er sogleich hinter der modernen Camouflage das Original identifiziert.

ZEITMOSAIK

Die Affäre Neuenfels im Bochumer Schauspielhaus ist beigelegt worden. Neuenfels, der Oberspielleiter in Bochum werden sollte, und Generalintendant Schalk haben sich in einer gemeinsamen Aussprache auf die Formel geeinigt, daß "die Vertragsauflösung auf einer Kette von Mißverständnissen beruht".

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Aufregendes, Sensationelles, Revolutionäres sucht man in der Biographie des Polen Witold Lutoslawski vergebens: 1913 in Warschau geboren; fünf Jahre Konservatorium, Klavier, Geige, Komposition, daneben an der Universität Mathematik; freischaffender Komponist; Gastprofessuren in Tanglewood und Dartington (USA) sowie Stockholm; Mitbegründer des "Warschauer Herbstes".

Verführer und Ökonomie

Während Gerhard F. Hering bei den Hersfelder Festspielen Shakespeares "Hamlet" inszenierte (worüber ich nächste Woche berichten werde), führte auf der Darmstädter Bühne Hans Schweikart eine literarisch-theatralische Delikatesse bis zur Premiere; auswirken wird sie sich im Spielplan der nächsten Saison: die selten gespielte Bearbeitung des wenig bekannten Moliereschen "Don Juan" durch Brecht.

Die Welt jenseits der Wand

Da sich eine Gesamtdarstellung römischer Kunst auf hundert Seiten, von denen allein die Abbildungen rund zwei Drittel beanspruchen, nicht bewerkstelligen läßt, es sei denn in Form einer populären Einführung, an der Gilbert Picard, Professor an der Sorbonne, offenbar nicht interessiert ist, hat er das Thema sachlich und zeitlich eingegrenzt.

KRITIK IN KÜRZE

"Kleinstadt-Ideologie – Zwischen Furchenglück und Sphärenflug", von Hermann Glaser. Der Titel "Kleinstadt-Ideologie" bezeichnet ein schwer abgrenzbares Syndrom psychischer Verklemmungen, das vom Autor unter wechselnden Perspektiven mehr beschrieben als analysiert wird, so wenig exakt wie die Absicht des Buches, die letztlich auf die Rehabilitierung einer recht verstandenen, nämlich nicht mehr als faule Weltabkehr erschlichenen, sondern den Bedrohungen des Daseins aktiv und bewußt abgerungenen Idylle hinausläuft.

Herren über das Leben

Auf zweihunderttausend wurde die Zahl der Wissenschaftler geschätzt, die heute den Geheimnissen des Lebens nachspüren. Eine verschwindende Minderheit der Menschheit – doch die Ergebnisse ihrer Neugier und ihres Fleißes beunruhigen manche Fachleute zutiefst.

Fernsehen: The Kaiser in Manhattan

Sie hießen Hans und Grete und Liesel und Fritz und trugen amerikanische Brillen mit goldenen Rändern. Sie waren Angehörige des Badischen Damen-Vergnügungsvereins und sangen, die siebzigjährigen Damen mit Topfhut und Kirschenmündchen, sie sangen Der Mai ist gekommen.

FILMTIPS

"Chronik der Anna Magdalena Bach" und "Der Bräutigam, die Komödiantin und der Zuhälter", von Jean-Marie Straub. "Week-End", von Jean-Luc Godard.

Der geniale Impresario

Ich bin ein Wesen, geschlagen, wie es scheint, mit völligem Mangel an Talent. Im übrigen glaube ich meine wahre Berufung gefunden zu haben: das Mäzenatentum.

Der Spaß beginnt, wenn er aufhört

Im "Goldrausch" von 1925 verläßt der Film in der ersten Szene, dem langen Marsch nach Alaska, die gewohnte Zivilisation. Menschen kommen hier, in der eisigen Einöde, nur noch als Wölfe unter Wölfen vor.

Wer will diesen Rat noch hören?

Der Streit um die Aufwertung scheint die Geister immer mehr zu verwirren. Seit diese Frage in den Mittelpunkt des Wahlkampfes rückt, ist sachliche Diskussion kaum noch möglich.

Fast den Sach-Verstand verloren...

Conrad Ahlers war schneller. Noch bevor der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Professor Wilhelm Bauer, in Stellung gehen und den ersten Pfeil aus dem Köcher des letzten Sondergutachtens herausziehen konnte, feuerte der stellvertretende Regierungssprecher eine Wortsalve auf den "Rat der Weisen" ab.

Überholt

Mit seinem Wunsch nach einer Besoldungserhöhung um mindestens dreizehn Prozent bis zum Jahr 1970 hat sich der Beamtenbund an die Spitze der neuen Lohnbewegung gesetzt.

Den Riemen enger schnallen

Ausgerechnet in dem Jahr, in dem die Übergangszeit zum Gemeinsamen Markt der sechs EWG-Länder beendet werden soll, sieht Brüssel schwarz für die wirtschaftliche Zukunft der Sechs: Weil die Kaufwut der 182 Millionen EWG-Einwohner anscheinend nicht mehr zu bremsen ist, droht eine Teuerung: "Die EWG befindet sich in einem Inflationsprozeß, der schnellstens unter Kontrolle zu bringen ist", konstatiert die Brüsseler Kommission der Europäischen Gemeinschaften.

Pfennigfuchser

Die Scheckkarte ist eine gute Erfindung. Nicht nur, daß der Kaufmann nicht mehr mißtrauisch die Stirn runzelt, wenn man ihm anbietet, den Einkauf mit einem Scheck zu bezahlen – wo immer man in der Bundesrepublik (und in 12 weiteren Ländern) Bargeld benötigt; der Kassierer am nächsten Bankschalter hilft.

Städtebau

Lauritz Lauritzen läßt nicht locker. Obwohl sein Städtebau-Förderungsgesetz an parteiegoistischen Erwägungen scheiterte, tritt der Minister drei Wochen später mit einem ausführlichen Bericht über Situation und Aufgaben im Städtebau an die Öffentlichkeit.

Umsonst ist auch nicht billig

Morgens um sieben ist die Welt in unseren Großstädten durchaus nicht in Ordnung. Lange Autoschlagen schieben sich durch die City.

+ Weitere Artikel anzeigen