Der Deutsche Judo-Bund zählt zu den erfolgreichsten Sportverbänden der Bundesrepublik. In den vergangenen drei Jahren stellten die deutschen Judoka sechs Europameister, die Mitgliederzahl des Verbandes wuchs in den letzten zehn Jahren von rund 18 000 auf nun fast 70 000. Der Deutsche Judo-Bund (DJB), 1956 aus den deutschen Athleten-Bund hervorgegangen, ist Dachorganisation für weitere asiatische Zweikampf-Disziplinen. In seinen Reihen führen Vertreter des Karate, des Taekwondo, des Aikido und des Ju Jutsu ein Eigenleben.

Wolfgang Peter, Mitglied des Bundesauschusses zur Förderung des Leistungssports und früherer Gewichtheber-Trainer, bescheinigte den deutschen Judoka die größten Fortschritte aller deutschen Sportverbände. Nichts wird im DJB den Zufall überlassen. Alles ist bis in das Detail reglementiert. Kyu- und Dan-Prüfungen als Test für den Ausbildungsstand, der durch verschiedenartige Gürtelfarben ausgewiesen wird, sind in Deutschland schwerer zu bestehen als beispielweise im Ursprungsland Japan. Der Japaner Mahito Ohgo, Verbandstrainer in Nordrhein-Westfalen, klagte dann auch: „Das ist schlimmer als das Kamasutra“, als er sich mühsam durch die Ausführungsbestimmungen für die Bodenkampftechniken gelesen hatte.

Der Deutsche Judo-Bund, der nun schon seit neun Jahren vom Präsidiums-Mitglied des Nationalen Olympischen Komitees Max Depke (Lübeck) geführt wird, hat innerhalb der internationalen Verbände eine derart gefestigte Position, daß er ohne Schaden selbst Auseinandersetzungen mit den japanischen Mutterverbänden übersteht, die immer noch auf ihrer führenden Position in der Welt beharren.

Als das Honbu-Dojo in Tokio, die Zentrale des Welt-Aikido-Verbandes, dem Deutschen Judo-Bund den Japaner Asai als Bundestainer aufdrängen wollte, riskierte, der DJB den Bruch mit den Japanern und stellte den deutschen Aikido-Pionier Gerd Wischnewski ein. Asai blieb in Deutschland und lehrte vor einer Handvoll vom Judo-Bund Abgefallener.

Japan bleibt dennoch das Vorbild deutscher Judosportler. Nicht zuletzt deshalb reisen immer wieder deutsche Wettkämpfer dorthin, um Judo und andere Judokünste an der Quelle im weltberühmten Kodokan oder an der von den Deutschen bevorzugten Tenri-Universität zu studieren. Wolfgang Hofmann (Düsseldorf), der Silbermedaillengewinner im Mittelgewicht von Tokio, sowie die Europameister Klaus Glahn (Hannover) und Peter Hermann (Berlin) verdanken ihre Erfolge nicht zuletzt diesen Studienaufenthalten im Fernen Osten. Den Anrechtsschein auf weitere Olympiamedaillen 1972 in München hilft der Deutsche Judo-Bund durch eine neue Expedition nach Japan zu gewinnen. Ende September starten sechs junge Athleten mit einem Betreuer zu einem fünfmonatigen Trainingslager an die Tenri-Universität.

Damit jeder potentielle Olympiakämpfer im Judo erfaßt und gefördert wird, hat der DJB gleichzeitig fünf regionale Leistungszentren erstellt, in denen in jeder Woche rund 140 Judoka für größere Aufgaben gedrillt werden. Bundestrainer Han Ho San (Korea), dem die Nationalmannschaft die Erfolge der letzten Jahre in erster Linie zu verdanken hat, überwacht in einem Fünf-Wochen-Rhythmus die Trainingsstätten und übernimmt die leistungsstärksten Athleten zusätzlich in ein überregionales Förderungsprogramm.

Nach den Europameisterschaften in Ostende, die die deutschen Kämpfer mit dem Mannschaftstitel abschlössen, wartet auf die DJB-Judoka mit den Weltmeisterschaften im Oktober im 2300 Meter hochgelegenen Mexico City eine noch größere Aufgabe. Sportreferent Dieter Seibold (Köln), mit 26 Jahren der jüngste Sportwart eines Fachverbandes im Deutschen Sport-Bund, hat ein Vorbereitungsprogramm ausgearbeitet, das alle bisherigen bei weitem übertrifft. Seibold konnte sich dabei Erfahrungen der deutschen Olympiamannschaft sowie führender Ringer-Nationen zunutze machen.