Der Entschluß des dänischen Folketing, die Zensur für pornographische Filme und Bilder aufzuheben, ist eine Sache der Konsequenz. Vor einem Jahre schon war die Pornographie im eigentlichen Sinne freigegeben worden: Das Graphein, das Beschreiben sexueller Vorgänge. Ob ich nun aber mit einer unanständigen Schreibmaschine oder mit einer unzüchtigen Kamera „schreibe“, dürfte im Prinzip ziemlich gleichgültig sein.

Und doch durften die Schriftsteller schon ruhig pornographieren, während es den Cineasten und Photographen noch verboten war. Das ist jetzt korrigiert. Gleiches Recht für alle!

Dies Argument ist nun freilich nicht im Folketing zur Sprache gekommen. Die bürgerliche Koalitionsregierung, besonders der den Konservativen angehörendeJustizminister Knud Thestrup, trug vielmehr psychologische Gründe für die Aufhebung der Zensur vor. Erstens finden, wir das altbekannte Argument: „Verbotene Früchte verlocken.“ Zweitens sei statistisch erwiesen,daß die Ausbreitung der Pornographie die Häufigkeit der Sittlichkeitsverbrechen mindere. Damit stellt sich das Folketing allerdings in krassen Gegensatz zu gewissen amerikanischen Gutachtern. Die Amerikaner: „Je mehr in Filmen vergewaltigt wird, desto mehr tun die Leute das auch; sie werden angesteckt.“ Die Dänen: „Was ich mir gemütlich besehen kann, brauche ich nicht selber zu machen.“

Die Sozialdemokraten haben zugestimmt, weil. sie in dieser Sache nicht anders denken als der regierende bürgerlich-konservative Block Die Liberalen der Bauernpartei („Venstre“) haben als strenge protestantische Christen protestiert, während draußen, auf der Straße, junge Katholiken in Marschkolonnen demonstrierten: dieselben, die schon einmal in der Nacht jenen Kiosken, die durch den Verkauf pornographischer Zeitschriften am meisten Geld verdienen, ein Plakat aufklebten: „Schluß mit dem Dreck. Die Liebe ist rein!“

Aber am heftigsten polemisierten die Kommunisten. Sie griffen sogar zur altbekannten „Opium-Theorie“.

„Die Pornographie“, so schrieb die kommunistische Zeitung „Land og Folk“, „ist Opium fürs Volk. Sie spielt für die skandinavischen Arbeiter dieselbe Rolle wie der Schnaps vor hundert Jahren. Sie läßt sie verkommen und wendet sie ab von den wirklichen Problemen des Lebens.“

In Dänemark, wo es nie viele Kommunisten gab, ist ihre Zahl in letzter Zeit erheblich zurückgegangen. Und man führte dies auf den sowjetischen Einmarsch in Prag zurück. Die Möglichkeit, daß dabei die Aufhebung der Zensur pornographischer Schriften, die vor Jahresfrist erfolgte, eine Rolle gespielt haben mag, ist bisher nicht in Betracht gezogen worden. Hier, öffnet sich ein weites Feld. Denn man darf ja nicht vergessen, daß in den Augen der Kommunisten die Pornographie die Religion ersetzt hat: Opium fürs Volk.