Berlin Bis zum 31. Juli, Galerie Mikro: "Alain Jacquet"

Dejeuner sur l’ herbe und Gabrielle d’Estree und La vierge et l’enfant, die Titel sind Orientierungshilfen für den Gebildeten unter Jacquets Betrachtern, damit er sogleich hinter der modernen Camouflage das Original identifiziert. Er fühlt sich erleichtert und auch geschmeichelt, weil er begreift, daß er nicht Pop und keine neurealistische Badeszene, sondern Manet oder Michelangelo vor Augen hat. Jacquet auf der letzten documenta: eine Ruhepause bei den Alten Meistern nach den Strapazen der Aktualität. Dann allerdings konstatiert er den Unterschied zwischen dem erinnerten Original und der Fassung, die Jacquet ihm gegeben hat. Jacquet verfährt autonom, er sieht Alte Kunst gerade nicht unterm Aspekt der Historie. Man tut ihm unrecht, wenn man ihn als einen Künstler interpretiert, der zwischen abendländischer Tradition und Gegenwart vermittelt. Man kann ihm aber auch keine ironischen oder persiflierenden Absichten unterstellen. Der französische Maler will keine kunsthistorischen Idole stürzen wie seine amerikanischen Kollegen, wenn sie die Mona Lisa oder sonstige tabuisierte Meisterwerke zitieren. Jacquet macht es wie Manet bei seinem "Frühstück im Grünen", das auf Giorgione und Raffael (nach einem Stich des Marcantonio Raimondi) zurückweist. Das alte Motiv, nur das Motiv, nicht Stil, Koloristik, ideeller Gehalt, wird in die Gegenwart transponiert, wird ihren künstlerischen Möglichkeiten überantwortet. Jacquet arbeitet für sein Déjeuner mit Photographie, Siebdruck und Raster. Nicht das Original wird photographiert, sondern eine nach Manet frei arrangierte Badegruppe. Im definitiven Bild (Siebdruck auf Leinwand) ist von Manet so viel enthalten wie in Manets Déjeuner von Giorgione und Raffael. In den neuesten Arbeiten wird der Zusammenhang mit dem Original bis zur Unkenntlichkeit gelockert, werden einzelne Details auf Plexiglas übertragen und frei kollagiert, ein nicht sonderlich attraktives Puzzle mit Alten Meistern.

Weiterhin im Programm:

Hamburg Bis zum 10. August, Kunsthalle: "Pablo Picasso"

Die 347 Radierungen, die zwischen März und Oktober 1968 entstanden sind, eine lockere Folge einzelner Tagewerke, in der die alten Motive in phantastischen, witzigen, verblüffenden Varianten und Kombinationen wiederkehren, sind jetzt, nach Berlin, in Hamburg ausgestellt.

Lübeck Bis zum 27. Juli, Behnhaus und St.-Annen-Museum:"Deutsche Zeichnungen Don 1800 bis 1850"

200 Blätter, Arbeiten von bekannten und vergessenen Klassizisten, Romantikern, Nazarenern und frühen Realisten, aus Privatbesitz sowie eine Auswahl von Overbeck-Zeichnungen aus dem Bestand des St.-Annen-Museums.