Nicht nur im Namen des Kommunismus werden Grausamkeiten verübt. Länder, in denen Antikommunistengesetze herrschen, sind mit Todesurteilen und Hinrichtungen nicht zimperlich. Das wohl größte Massaker im Namen des Antikommunismus hat sich in Indonesien abgespielt. Bezeichnenderweise kann niemand genau sagen, wie viele Hunderttausende nach dem mißglückten Putsch der „Bewegung vom 30. September“ (1965) niedergemetzelt wurden. Die Schätzungen schwanken zwischen 100 000 und einer Million. Ebensowenig weiß man die Zahl der immer noch Inhaftierten. Mindestens sollen es 55 000 – möglicherweise 150 000 – sein. Wie es dazu kam, schildern ein westlicher und ein asiatischer Journalist:

John Hughes: „The End of Sukarno – A coup that misfired: a purge that ran wild“; Angus & Robertson, London 1968; 304 Seiten, 35 $.

Tarzie Vittachi: „The Fall of Sukarno“; Frederick A. Praeger, New York/Washington 1967; 192 Seiten, 4,95 $.

Der amerikanische Autor des erstgenannten Buches (das in Amerika unter dem Titel „Indonesian Upheaval“ – New York: David McKay, 5,95 $ – erschienen ist) flog kurz nach der „Bewegung vom 30. September“ – indonesisch kurz „Gestapu“ genannt – als Korrespondent des „Christian Science Monitor“ nach Djakarta. Für die Berichte, die er in den folgenden Monaten seiner Zeitung schickte, bekam er 1967 den Pulitzer-Preis für Auslandsreportagen. Sein Buch basiert auf diesen Artikeln.

Es fing an in der Nacht vom 30. September zum 1. Oktober 1965: Verschwörer entführten den Befehlshaber der indonesischen Armee und fünf seiner Generalstabsoffiziere und ermordeten sie auf bestialische Weise. Das nominelle Oberhaupt der Verschwörung war Oberstleutnant Untung, dem ein Bataillon der Palastwache Präsident Sukarnos unterstand. Er ernannte sich zum Vorsitzenden eines Revolutionsrates, der die Regierungsgewalt beanspruchte. Diese „Bewegung vom 30. September“ wurde jedoch innerhalb von vierundzwanzig Stunden durch das entscheidende Eingreifen General Suhartos, des heutigen Präsidenten von Indonesien, zerschlagen, der damals die strategischen Reserven der indonesischen Armee befehligte.

An diesem Tag begann nicht nur die Vernichtung der starken Kommunistischen Partei Indonesiens (PKI), die damals über 20 Millionen Anhänger verfügt haben soll (Gesamtbevölkerung 115 Millionen), sondern auch das Ende der Herrschaft Sukarnos, der die nationalistische Bewegung Indonesiens seit 1927 angeführt hatte. In der Streitfrage, ob und inwiefern Sukarno an dem Putsch beteiligt war, ist Hughes der Auffassung, daß Sukarno auf jeden Fall wußte, was vor sich ging, also auch der Ermordung der Generale zugestimmt hat. Die These, derzufolge der Putsch von Peking aus gesteuert worden sei, kann der Autor nicht bestätigen. Hughes objektive, lebhafte Berichte über die antikommunistischen Massaker Ende 1965 und Anfang 1966 werden sich als Primärquelle für künftige Historiker erweisen, auch wenn die indonesischen Behörden die Objektivität dieser Berichte bestreiten.

Das zweite Buch stammt von einem Ceylonesen, dem im Jahre 1959 der „Ramon Magsaysay for Journalism and Literature“ verliehen wurde. Der Autor betrachtet die „Gestapu“-Bewegung und ihre Folgen als eine „klassische Tragödie“ von gigantischen Ausmaßen. „Allein in Java wurden innerhalb von fünf Monaten mehr Menschen getötet als in fünf Jahren im Vietnam-Krieg.“ Wie Macbeth betrat Sukarno die Bühne Indonesiens, eingehüllt in ungezählte Titel: „Präsident der Republik“, „Großer Führer der Revolution“, „Alleiniger Interpret der Revolution“, „Zuflucht der Leiden des Volkes“, und so weiter. Und wie Macbeth verlor er Titel und Ehren in einer raschen Folge von Ereignissen, anfangend mit Mord, endend in Selbstzerstörung.