Von Ingeborg Zaunitzer-Haase

In der Neuauflage des Scharnow-Prospekts werden sie noch in bunter Fülle angeboten: Ferienwohnungen im Eurim-Villenpark „La Cometa“, im Eurim-Wohnpark „Los Naranjos“, in der Eurim-Siedlung „Esmeralda“ oder im Eurim-Landhaus-Park „La Galera“. Aber das Geld, das Scharnow von den Ferienhaus-Mietern einnimmt, wird nicht mehr mit der Eurim-Verwaltungsgesellschaft, sondern direkt mit den Eigentümern der Häuser verrechnet.

Denn Eurim ist nur noch ein Name, nur noch Schall und Rauch. Die drei Firmen Eurim GmbH & Co. KG, Eurim GmbH und deren Tochter Schwung-Werbung GmbH wurden vor kurzem aus dem Handelsregister der Stadt Mannheim gelöscht. Vom zuständigen Amtsgericht wurden das Vergleichsverfahren und sogar die Eröffnung des Anschlußkonkurses abgelehnt.

Zurück bleibt ein enttäuschter und verbitterter Mann. Firmengründer und -chef Walter Vollmer – dem niemand, der ihn näher kennt, persönliche Lauterkeit und Fleiß abspricht – muß nun sehen, wie er mit dem Eurim-Nachlaß fertig wird. Dieser „Nachlaß“ ist ein Schuldenberg der GmbH von etwa 550 000 Mark. Davon entfallen allerdings ungefähr 126 000 Mark auf Vollmers Ehefrau Helene. Ein wichtiger Gläubiger ist die Bank für Gemeinwirtschaft, deren Forderungen jedoch mit Vollmers Haus und Grundstück in Mannheim-Pfingstberg abgesichert sind. Übrig bleiben Forderungen einer spanischen Firma, einiger Annoncen-Expeditionen und einiger Leute, die noch auf das Geld für die Vermietung ihrer Häuser warten.

Auf der Habenseite stehen allerdings noch einige Forderungen, die vielleicht mit Erfolg hereingeklagt werden könnten. Und auf der Habenseite steht, vor allem, Walter Vollmer selbst. Er – der über zwei Jahre lang verzweifelt gegen die finanzielle Auszehrung seiner Firma kämpfte – hat alles verloren, was er einst, in guten Tagen, an Eurim verdiente.

Geblieben ist ihm seine Arbeitskraft. Mit ihr begann er ein neues Leben. Er ist jetzt „freier Mitarbeiter“ der Frankenthaler Firma „Realfinanz“, einer Tochter der Aachener Allgemeinen Wohnungsbau GmbH, genannt Awobau. Für diese Firma verkauft er nun im Außendienst – auf Provisionsbasis – Immobilien, Versicherungsverträge, Bausparverträge und Investmentfonds.

Die Awobau gehört – wie zum Beispiel auch die Mannheimer Filiale der Bank für Gemeinwirtschaft – zu jenen, die an den Eurim-Chef und seine persönliche Lauterkeit auch dann noch glaubten, als die finanzielle Misere längst nicht mehr aufzuhalten war. Die Bank hält auch heute noch still und gibt ihrem Gläubiger damit die Chance, seine Schulden abzutragen, ohne sein Haus aufgeben zu müssen. Die Awobau war bereit, eine Vergleichsquote von 35 Prozent zu garantieren, bis das zuständige Amtsgericht – dem die Garantie offenbar nicht genügte – „nein“ sagte. Auch andere Persönlichkeiten und Firmen – wie zum Beispiel Scharnow – sind heute noch bereit, Walter Vollmer Glück zu wünschen und seine Chancen dazu möglichst zu verbessern.