Zweifellos sind sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Sowjetunion in der Lage, in Zukunft noch größere und noch teurere Raumabenteuer zu starten. Und wenn das Unternehmen Apollo 11 erfolgreich verläuft, werden einflußreiche Interessengruppen in beiden Ländern versuchen, den Rivalitätsdrang der Nationen und ihrer Führer weiter anzuheizen.

Andererseits aber würde die Landung auf dem Mond die Chance eröffnen, ein gemeinsames Raumfahrtprogramm der USA und der UdSSR zu entwerfen. Würde indes diese Chance verpaßt, dann gäbe es während der nächsten zehn oder zwanzig Jahre womöglich keine neue.

Der Wettstreit der Rivalen ließe sich immer nur an bestimmten Entwicklungspunkten in eine Gemeinsamkeit verwandeln, denn bei den Raumprojekten liegen erfahrungsgemäß ein bis zwei Jahrzehnte zwischen Planung und Verwirklichung, Der amerikanische Flug zum Mond wurde fast zehn Jahre vorausgeplant, und weitere zehn oder zwanzig Jahre (je nach den Mitteln, die zur Verfügung stehen) würde es dauern, eine Rakete zu einem Planeten zu schicken. Als Präsident Kennedy zu Beginn der sechziger Jahre amerikanisches Prestige und amerikanisches Geld an die Aufgabe band, noch vor Ende dieser Dekade einen Mann zum Mond zu schicken, schaltete er damit zugleich jede Möglichkeit einer amerikanisch-russischen Zusammenarbeit während dieses Zeitraums aus. Kennedy wollte den russischen Vorsprung einholen – und der Kreml konnte es sich nicht leisten, diese Herausforderung zu ignorieren. Das Rennen konnte nur im Wettlauf entschieden werden – eine Zusammenarbeit war unmöglich.

Aber wenn den Amerikanern die Mondlandung gelingt, haben sie damit nicht für alle Zeiten einen Vorsprung vor den Sowjets errungen. Sie haben nur verlorenes Terrain zurückerobert – und die Voraussetzung für einen neuen Start geschaffen.

Schon der nächste Schritt könnte zu einer neuen Herausforderung führen, sei es durch Amerika oder durch Rußland – und wieder wären dann die Chancen für eine Zusammenarbeit unendlich verringert. Nicht lange wird die Spanne andauern, in der es möglich ist, aus dem Circulus vitiosus auszubrechen. Denn bisher haben weder die Amerikaner noch die Russen bekanntgegeben, welches ihre nächsten Ziele in der Raumfahrt sein sollen. Sind aber die Absichten erst einmal offiziell und mit dem dazugehörenden Propagandaaufwand veröffentlicht, dann wird von Stund an jede Seite versuchen, der anderen den Erfolg abzujagen.

Amerikanische Raumfahrtexperten sind der Meinung, daß die Vereinigten Staaten in den achtziger Jahren in der Lage sein werden, über den Mond hinaus zu ferneren Zielen vorzustoßen. Auch die Russen, die jetzt im bemannten Mondflug zurückstecken mußten, werden bis dahin ohne Frage für neue, weit in das All führende Unternehmungen gerüstet sein. Würden beide Länder in der Zwischenzeit ihre Erfahrungen bei den Mondexperimenten austauschen und ihre weiteren Pläne koordinieren, könnten sie doppelt soviel erreichen wie jeder für sich allein – und vielleicht sogar in der halben Zeit.

Das erste Ziel, das beide Länder offenbar anstreben, ist die Errichtung von Raumstationen, die eines Tages als Abschußbasis für weitere Flüge dienen sollen. Wäre es denn so undenkbar, daß diese Stationen in ein paar Jahren eine gemischte Besatzung aus Astronauten und Kosmonauten hätten? Victor Zorza