Von Wernher von Braun

Wenn alles nach Plan abläuft, werden am kommenden Sonntag zwei Amerikaner den Mond betreten; sie werden erfüllen, was Präsident Kennedy am 25. Mai 1961 in seiner Botschaft an den Kongreß als Nationales Ziel proklamiert hat.

Ich glaube, dieses Ereignis wird bei allen Menschen einen tiefen Eindruck hinterlassen, ja, von vielen gar als Beginn eines neuen Zeitalters empfunden.

Was wird nun in dieser neuen Ära auf dem Gebiet der Raumfahrt geschehen? Welche Projekte sind für die nahe Zukunft geplant, welche Möglichkeiten hat die NASA ins Auge gefaßt?

Die Vertragsfirmen der US-Raumfahrtbehörde waren beauftragt worden, ein Kontingent von fünfzehn Saturn-V-Raketen herzustellen. Beim Unternehmen Apollo 11 aber wird erst die sechste Rakete dieses Typs gestartet. Die bemannte Mondlandung wird also aller Voraussicht nach mit weniger Raketen und Raumschiffen realisiert, als ursprünglich vorgesehen; folglich stehen uns die eingesparten Geräte jetzt für andere Einsätze zur Verfügung.

Die technischen Apparaturen des Saturn-V-Apollo-Programms sind für Mondlandungen konstruiert worden, darum scheint es am einleuchtendsten, sie auch für weitere Forschungsreisen auf den Erdtrabanten zu verwenden. Die Oberfläche des Mondes ist größer als die Fläche Nord- und Südamerikas zusammen. Es wird mithin einige Zeit dauern, bis dieses Terrain vollständig erforscht ist. Die Photographien, die die Mondsonden des Surveyor- und des Lunar-Orbiter-Programms gemacht haben, ließen zudem mehrere Gebiete erkennen, die für Wissenschaftler von großem Interesse sind.

Eine der Voraussetzungen künftiger Mondforschung ist es, die Aufenthaltsdauer auf dem Mond zu verlängern. Man darf nicht vergessen, daß Astronauten, die dort landen, eine Drei-Tage-Reise unter nicht gerade ideal zu nennenden Bedingungen hinter sich und eine lange Rückreise vor sich haben. Die Leistungsgrenzen, die die Ermüdung ihnen setzt, müssen im Operationsplan bedacht werden. Das ist übrigens einer der Gründe, weshalb die ersten Astronauten nur einundzwanzig Stunden auf dem Mond bleiben und ihre Landefähre nur für einen Streifzug von zwei Stunden und vierzig Minuten Dauer verlassen werden.