Von Alex Natan

Die Spannungen zwischen Sport und Politik sind nun so stark geworden, daß sich die Minister ausländischer Staaten einmischen müssen, um sie als Unparteiische zu schlichten. In der entscheidenden dritten Begegnung um die Qualifizierung einer Teilnahme an den Weltmeisterschaften im Fußball in Mexiko im kommenden Jahr gelang es El Salvador, Honduras 3:2 zu schlagen. Die Auswärtigen Minister von Costa Rica, Nikaragua und Guatemala hatten sich erboten, die Auseinandersetzungen zu schlichten, die entstanden waren, als El Salvador Honduras in der zweiten Begegnung 3:0 besiegt hatte. (Das erste Match war mit 1:0 an Honduras gefallen.) Nach Behauptungen aus Salvador wären Zehntausende von Salvadorianern, die in Honduras lebten, gezwungen worden, aus Honduras zu fliehen, um der sportlichen Verfolgungswut der geschlagenen Mannschaft zu entgehen. Honduras streitet diese Meldung ab und meint, es könnte sich bei diesen flüchtigen Emigranten nur um deportierte Salvadorianer gehandelt haben, die illegal Honduras betreten hatten. Weil der friedliche Kampf zwischen zwei Mannschaften zu einer tödlichen politischen Sache mit irrationalen Obertönen ausgeartet war, mußte die entscheidende Begegnung schließlich auf einen neutralen Ort, nach Mexiko, verlegt werden, wo überdies noch die Begegnung verlängert werden mußte.

Inzwischen steht auch Südafrika wieder erneut im Mittelpunkt sportpolitischer Auseinandersetzungen. Nicht nur wird die Davis-Pokal-Begegnung zwischen England und Südafrika in England selbst unter politischen Gesichtspunkten diskutiert, sondern England wird sich auch schlüssig werden müssen, ob es für den schwedischen Antrag in Prag stimmen wird, Südafrika wegen seiner Apartheid-Politik aus dem Internationalen Tennisverband auszuschließen. England wird natürlich die gleiche Haltung einnehmen wie im Cricket-Konflikt vom vergangenen Frühjahr. Genauso wie die Südafrikaner im kommenden Jahr in England Cricket-Länderbegegnungen austragen werden, so werden auch die Davis-Pokal-Kämpfe stattfinden. Mit nicht mehr ungewöhnlicher Heuchelei wird man argumentieren, daß es vom sportlichen Standpunkt besser sein würde, sportliche Beziehungen in der Hoffnung aufrechtzuerhalten, daß sich in Südafrika einmal etwas ändern könnte, als die ganze Angelegenheit ein für allemal mit einem Bruch der sportlichen Beziehungen zu lösen.

Nun folgt inmitten der Vendetta von Wimbledon die Herausforderung von Arthur Ashe, einem amerikanischen Neger, der zur Tennis-Weltklasse gehört. Er hat jetzt bekannt werden lassen, daß er seine Nennung zu den südafrikanischen Tennismeisterschaften abgegeben hatte, die auch vom dortigen Tennisverband angenommen worden wären. Doch sei ihm das Einreisevisum verweigert worden. Auf Grund dieser Erfahrung stellte er den Antrag vor dem neugegründeten Internationalen Berufsspielerverband, Südafrika vom Davis-Pokal und aus dem Internationalen Tennisverband auszuschließen.

Obgleich sich die Berufsspieler einstimmig gegen die Apartheid-Politik aussprachen und sich zu den Ansichten Ashes bekannten, lehnten sie doch mit 19:17 einen öffentlichen Beschluß ab. Die meisten Berufsspieler lehnten es sogar ab, sich darüber zu äußern, ob sie in Zukunft in Südafrika spielen werden. Dabei muß nämlich berücksichtigt werden, daß die vielen Tennisturniere, die dort im Winter abgehalten werden, eine lukrative Einnahmequelle bilden. „Erst kommt das Fressen und dann kommt die Moral.“

Übrigens hat sich dabei herausgestellt, daß der Vertrag eines Berufsspielers seinem Promoter voll und ganz überläßt, für welches Turnier er seinen Vertragspartner meldet, so daß dieser nicht länger mehr Herr seiner eigenen Entscheidungen ist, eine interessante soziologische Entwicklung seit den Tagen de Coubertins und seines amatörichten Herrenstandpunktes.

Was wird sich jedoch ereignen, wenn die Südafrikaner die nächste Runde im Davis-Pokal gegen England gewinnen und dann in New York im September gegen Amerika antreten müssen? Ashes Kollegen – Pasarell, Lutz und Stan Smith – haben erklärt, sie würden ihn nicht im Stich lassen. Ashe könnte sich entweder aus persönlichen Gründen beurlauben lassen oder sich demonstrativ bemühen, die Südafrikaner in drei Sätzen zu schlagen. Dabei könnte sich dann ein kleiner Treppenwitz der Sportgeschichte ereignen. Hewitt, gebürtiger Australier, inzwischen jedoch in Südafrika naturalisiert, dürfte im Davis-Pokal für das Land seiner Wahl antreten, während die Teilnahme Drysdale verwehrt sein würde, der urechter Südafrikaner ist, jedoch als Berufsspieler nicht qualifiziert erscheint.