Mit seinem Wunsch nach einer Besoldungserhöhung um mindestens dreizehn Prozent bis zum Jahr 1970 hat sich der Beamtenbund an die Spitze der neuen Lohnbewegung gesetzt. Dabei muß man allerdings berücksichtigen, „daß Beamte von ihrem Arbeitgeber, dem Vater Staat, stets nur nach Tarif bezahlt werden. Der angeblich existierende Rückstand gegenüber der allgemeinen Einkommensentwicklung soll mit der Erfüllung der Besoldungsforderung teilweise aufgeholt werden.

Mag die Forderung des Beamtenbundes happig sein oder nicht, auf keinen Fall kann sein Vorschlag akzeptiert werden, einen Teil davon aus konjunkturellen Gründen als Vermögenszuwendungen zu gewähren. Solche Zuwendungen würden den Beamten gegenüber dem Arbeiter oder Angestellten eindeutig bevorzugen. Mit ihrem Pensionsanspruch auf 75 Prozent des letzten Bruttogehalts genießen die Beamten ohnedies schon ein Privileg.

Wollen die Beamten mit den Arbeitnehmern der privaten Wirtschaft gleichgestellt werden, dürfen sie sich nicht nur die Rosinen herauspicken. Wieder einmal zeigt sich, daß der Beamtenstatus im modernen Industriestaat antiquiert ist. Vernünftig wäre es vor allem, Beamte nach Leistung und nicht nach Dienstrang zu bezahlen. Es ist mit einem Wort höchste Zeit, daß die Unterschiede zwischen dem Arbeitsentgelt beim Staat und in der privaten Wirtschaft aufgehoben werden. si