Unser Kritiker sah:

DON JUAN

Nach Molare von Bertolt Brecht

Landestheater in Darmstadt,

Orangerie

Während Gerhard F. Hering bei den Hersfelder Festspielen Shakespeares „Hamlet“ inszenierte (worüber ich nächste Woche berichten werde), führte auf der Darmstädter Bühne Hans Schweikart eine literarisch-theatralische Delikatesse bis zur Premiere; auswirken wird sie sich im Spielplan der nächsten Saison: die selten gespielte Bearbeitung des wenig bekannten Moliereschen „Don Juan“ durch Brecht. Das Original leidet an einem doppelten Handikap. Es ist die eilige Verarbeitung eines zu seiner Zeit modischen Stoffes, der Don-Juan-Legende, von Molière als Spektakel in Prosa hingeworfen, weil er für seine Truppe ein neues Stück und für sich eine Rolle brauchte. Der berühmt gewordenen Bettlerszene, in der Don Juan von einem Eremiten verlangt, für einen Louisdor solle er einmal fluchen, ist die lange währende Unterdrückung des Originaltextes zuzuschreiben.

Zum andern steht jeder Don-Juan-Version seit Mozart dessen Musik im Wege. Brecht sah in dem Moliereschen Libertin eine ebenso zeittypische wie gesellschaftskritische Figur. An ihrer Eigenwilligkeit ergötzte sich die gleichgestimmte feudale Gesellschaft, während Don Juan sich über Konventionen hinwegsetzte.