Wir werden uns nicht scheuen, den Start von Apollo 11 zu verschieben oder den Flug jederzeit abzubrechen und die Besatzung zurückzuholen, wenn immer eine Panne auftreten sollte“, erklärte General Sam Phillips, der Direktor des Apollo-Programms. Bei seiner letzten Pressekonferenz vor dem Start sagte er den Journalisten außerdem: „Sie müssen damit rechnen, daß wir auch bei dieser Mission den Mond nur umkreisen, statt auf ihm zu landen; es wäre gut, wenn Sie das Ihren Lesern klarmachten. Die Sicherheit unserer Männer ist uns wichtiger als die Erfüllung eines Zeitplans.“

Wenn aber doch alles nach Plan verläuft, wenn die beiden Astronauten Neil Armstrong und Edwin (Buzz) Aldrin in der Mondfähre „Eagle“, die sich schon auf der Abstiegsbahn befindet, das Kommando PDI (Powered Descent Ignition = Zündung des Abstiegsmotors) erhalten, wird sich alles Weitere so zutragen:

Der Motor bremst den Flug, und Eagle nähert sich auf einer Bahn von 480 Kilometer Länge dem Hi-Gate (Hohes Tor), einem Punkt, der in rund zwei Kilometer Höhe über der Mondoberfläche und ungefähr acht Kilometer von dem vorgesehenen Landeplatz entfernt ist.

Vom Hi-Gate an beobachten die beiden Besatzungsmitglieder durch die Bordfenster den Mondboden und prüfen, ob sie die vorgesehene Landestelle oder einen anderen Platz ansteuern sollen. Der nächste wichtige Punkt, den das Mondboot erreicht, Low-Gate (Niedriges Tor), liegt knapp 150 Meter über dem Mond. Hier steht das Landefahrzeug aufrecht über dem Platz, auf dem es niedergehen soll. Der nun folgende fast vertikale Abstieg wird halbautomatisch geregelt, zum Teil mit Handsteuerung, zum Teil aber auch vom Bordcomputer, der laufend mit den Navigationsdaten gefüttert wird; die Daten werden von der Besatzung visuell ausgemacht – an den Fenstern sind Skalen angebracht, mit denen die Landestelle anvisiert werden kann.

Noch während dieser Phase ist es möglich, mit dem nunmehr nahezu stillstehenden Gefährt seitliche Bewegungen auszuführen, um den günstigsten Landeplatz aussuchen zu können. Langsam senkt sich Eagle, und sobald die Fühler – etwa 2,60 Meter lange Drähte, die von drei der vier Landebeine herabhängen – mit dem Mondboden in Kontakt gekommen sind, leuchtet in der Kabine eine Lampe auf. Der Pilot wartet jetzt eine Sekunde und stellt dann den Motor ab, während sich das Gefährt noch ein paar Zentimeter über der Mondoberfläche befindet.

Eagle setzt auf; die Landung ist vollzogen.

Für die beiden Insassen beginnt jetzt eine lange Wartezeit. Fast zehn Stunden müssen vergehen, ehe die beiden „Lunanauten“ aussteigen dürfen. Unmittelbar nach der Landung muß die Lage beurteilt werden. Möglichst in weniger als drei Minuten sollen die beiden Männer eine Entscheidung treffen, die eine Wahl zwischen Leben und Tod für sie sein kann: Sie haben festzustellen, ob die Position und der Zustand des Mondschiffes so sind, daß die beiden Astronauten auf dem Erdtrabanten ihre Mission ausführen können oder nicht. Wenn nicht, dann nämlich sollte der Start zurück zur Kommandokapsel „Columbia“ sofort erfolgen; denn nach drei Minuten sind die Rückflugbedingungen für das Mondboot eine Zeitlang sehr ungünstig.