Viele Banken und mit ihnen der Berufshandel haben die Konsequenzen aus der internationalen Kapitalmarktsituation mit ihren hohen Zinssätzen sowie aus der sich in der Bundesrepublik heißlaufenden Konjunktur gezogen. "Ohne Rücksicht auf Verluste" wurden Aktien aller Schattierungen auf den Markt geworfen. Der Kundschaft gab man den guten Rat: Kein Geld mehr in die Wertpapiere, sondern flüssig bleiben.

Selbst jene Kreditinstitute, die von sich behaupten, ihrer Kundschaft die Chancen aller Börsen der Welt aufzeigen zu können, wissen zur Zeit nichts Besseres. Sie meinen, daß die Baisse in Wall Street ihr Ende noch nicht erreicht, daß an der Tokioter Börse Vorsicht geboten ist, und daß die politischen Verhältnisse in Frankreich und Italien ein Engagement noch nicht als ratsam erscheinen lassen.

Die Zurückhaltung der Anleger hat auf den deutschen Aktienmärkten zu neuen Jahrestiefstkursen geführt. Aktien, vor knapp vier Wochen noch eine Art Mangelware, sind nur noch unter Kursopfern an den Mann zu bringen. Nur darüber ist man sich einig: Eine so scharfe Baisse, wie wir sie im Anschluß an die erste deutsche Nachkriegshausse erlebten, werden wir diesmal nicht bekommen, weil im internationalen Vergleich die deutschen Aktienkurse auch dann noch nicht überbewertet sind, wenn die Gewinne 1970 nicht mehr steigen werden. K. W.