Von Hans Mommsen

Peter Hoffmann: "Widerstand, Staatsstreich, Attentat". Der Kampf der Opposition gegen Hitler; Piper & Co Verlag; München 1969; 988 Seiten, 58,– DM.

Die wissenschaftliche Erforschung der deutschen Widerstandsbewegung gegen Hitler hat sich in einem umfangreichen Schrifttum niedergeschlagen, das selbst der Fachmann kaum noch zu überblicken vermag. Gleichwohl sind wichtige Quellen erst in jüngster Zeit aufgetaucht und bislang nicht hinreichend beachtet worden.

Einen wesentlichen Schritt auf dem Weg zu einem wissenschaftlich gesicherten Bild des Widerstands bedeutet die Darstellung der Staatsstreichpläne und Attentatsversuche von Peter Hoffmann, der bereits mit einer Reihe von Spezialuntersuchungen über den 20. Juli 1944 hervorgetreten war. Das mit der Unterstützung des "Hilfswerks 20. Juli 1944" entstandene Werk bietet eine kritische Synthese der Ergebnisse der bisherigen Literatur, die durch ein eingehendes Quellenstudium und umfangreiche Zeugenbefragungen ergänzt und zum Teil korrigiert werden.

Der Nachdruck des Werkes liegt auf der "Darstellung der konkreten Versuche, das nationalsozialistische Regime zu stürzen und Hitler zu beseitigen". Es bringt zwar keine grundlegenden Veränderungen des bisherigen Bildes, aber ermöglicht einen genauen Einblick in die Einzelvorgänge und die äußeren Bedingungen, unter denen die Staatsstreichplanungen vorangetrieben wurden. Entgegen häufig anzutreffenden Vorstellungen haben die Verschwörer kaum eine Möglichkeit verstreichen lassen, das Attentat auszuführen. Sie haben es von langer Hand, nicht erst unter dem Eindruck der unabwendbaren militärischen Niederlage angestrebt. Hingegen waren die Schwierigkeiten, die sich einem Attentat entgegenstellten, nur außerordentlich schwer zu überwinden. Dies geht aus Hoffmanns sorgfältiger Analyse der umfassenden Sicherungsmaßnahmen hervor, die von Hitlers ständiger Attentatsfurcht über alle Maßen ausgedehnt wurden. Dies ist nicht nur für das Verständnis der Verhaltensweisen Hitlers von größtem Interesse, sondern beweist auch, wie wenig der Vorwurf berechtigt ist, die Widerstandskämpfer hätten die Attentatspläne dilatorisch verfolgt.

Hoffmann beschreibt detailliert die technischen Schwierigkeiten bei der Vorbereitung der Attentatsversuche. Sie traten vor allem bei der Beschaffung des Sprengstoffs und dem Problem, Funk- und Telephonverbindungen des Führerhauptquartiers auszuschalten, auf. Hoffmann gelangt zu dem Ergebnis, daß Fellgiebel alles, was in seinen Kräften stand, getan hat, um dies zu erreichen, daß aber eine vollständige nachrichtentechnische Isolierung des Führerhauptquartiers von vornherein unmöglich war. Eingehend schildert er auch die Ursachen dafür, daß die bei dem von Stauffenberg durchgeführten Attentat im 20. Juli verwendete Sprengladung nicht ausreichte.

Aus der detaillierten, aber doch einprägsamen Schilderung geht hervor, daß die Verschwörer mit der generalstabsmäßigen Vorbereitung des Staatsstreichversuchs bis an die Grenze des unter totalitären Bedingungen überhaupt Möglichen gegangen sind. Der Staatsstreich scheiterte nicht zuletzt deshalb, weil Generalleutnant Thiele, Nachrichtenoffizier in der Bendlerstraße, die ihm von Fellgiebel kurz nach 13 Uhr übermittelte Nachricht vom erfolgten Attentat erst gegen 16 Uhr – nachdem sie auf anderem Wege bereits bekanntgeworden war – Olbricht mitteilte und die vorbereiteten Befehle erst von diesem Zeitpunkt an herausgingen, womit entscheidende Sunden verloren waren.