Von Robert Jungk

Während der sowjetischen Luftparade von 1967 entdeckten offizielle und inoffizielle Beobachter aus dem Westen einen neuen Flugzeugtyp, MIG 23, der nach ihren Berechnungen schneller und höher fliegen konnte als irgendein amerikanisches Kampfflugzeug. Besonders den von der Aerospace Industry nach Moskau den sandten Spähern war sofort klar, daß die amerikanische Luftwaffe diese "Herausforderung" annehmen und eine ebenbürtige oder überlegene Maschine bauen würde.

In den folgenden Monaten arbeiteten die Entwicklungsabteilungen einiger führender amerikanischer Firmen – ohne dazu einen speziellen Auftrag erhalten zu haben – an Entwürfen für ein Project Foxbat, um auf Grund dieser Vorstudien für den Bau des neuen Flugzeugmodells auftragsbereit zu sein.

Die Palme errang die Grumman Aircraft Engineering Corporation auf Long Island bei New York. Ihre Anstrengung hatte sich gelohnt und wird sich noch weit mehr lohnen. Für die ersten sechs Prototypen des nunmehr "F 14" getauften Jägers war die Navy bereit, 338 Millionen Dollar zu zahlen. Aber damit sollte erst das große Geschäft beginnen. Denn die Admirale nahmen bei der Firma sofort eine Option für den Bau von 463 weiteren F 12 Serienmaschinen zu 7,3 Millionen Dollar pro Stück: Summa summarum 3,4 Milliarden Dollar in Grummans Auftragsbüchern. Wahrscheinlich werden weitere Milliarden-Aufträge für verbesserte F 14, an denen man natürlich schon bastelt, folgen.

Was hat das mit dem Mondabenteuer zu tun? Grumman ist die Firma, die die Mondfähre LEM gebaut hat, jene nun weltbekannte, seltsam aussehende spindlige Apparatur zur Landung auf dem Erdtrabanten.

Dieser Auftrag brachte nicht nur Prestige, sondern ermöglichte es Grumman, sich nach und nach die besten Ingenieure mit Rekordgehältern einzukaufen. Zur Zeit besitzt das Werk mit 8000 Mann technischen Spitzenpersonals mehr engineering brain power als irgendein anderer amerikanischer Industriegigant, außer IBM. So war es nach Abschluß der LEM-Entwürfe nicht schwer, 1100 Ingenieure der fortgeschrittenen Systemgruppe auf die F 14 anzusetzen.

Diese Geschichte zeigt, daß die von Braun, Paine und andere Protagonisten des Projekts Apollo immer wieder vorgebrachte Beteuerung, der Mondflug habe rein gar nichts mit Rüstung zu tun, doch nur auf den ersten Blick glaubhaft erscheint. Es stimmt, daß seit spätestens Ende 1962 die anfänglich ganz bewußt und mit großem Geschick anfänglich Propagierung der Raumfahrt als militärische Notwendigkeit abgebaut und ins Gegenteil verkehrt wurde. In diesem Zeitpunkt war es ja auch nicht mehr notwendig, mit diesem bewährten Argument der Furcht die öffentliche Meinung und die Volksvertreter zur Bewilligung der notwendigen Milliardensumme zu zwingen. Denn inzwischen hatte das Raum-Fieber das ganze Land, ja die ganze Welt gepackt. Verletzter Stolz, ramponiertes Prestige erwiesen sich als Triebsätze von beachtlicher Potenz.