Zum viertenmal veröffentlicht die ZEIT in diesem Jahr die Liste der 100 größten Unternehmen der Bundesrepublik. Sie ist diesmal nur bedingt mit den Vorjahreszahlen zu vergleichen, weil am 1. Januar 1968 die Umsatzbesteuerung auf die Mehrwertsteuer umgestellt wurde. Das hat bei zahlreichen Firmen zu Umsatzveränderungen geführt, die fiskalisch bedingt sind und nichts mit der tatsächlichen Entwicklung der Geschäfte zu tun haben.

So erklärt es sich auch, daß die Handelsunternehmen der Nahrungsmittelbranche, die nur mit 5,5 Prozent Umsatzsteuer belastet sind, in der Rangfolge der Unternehmen einige Plätze verloren haben. So rutschte der Deutsche Unilever-Konzern, dessen Umsatz geschätzt werden mußte, da der Geschäftsbericht für 1968 noch nicht vorliegt, vom 24. auf den 26. Platz ab, die Edeka-Zentrale büßte fünf Plätze ein, während das Kaffeehandelsunternehmen in diesem Jahr auf Platz 98 rangiert.

Es wäre sicher aussagekräftiger gewesen, die Firmenumsätze ohne die Mehrwertsteuer zu erfassen. Ein großer Teil der Unternehmen war jedoch nur zu Umsatzangaben einschließlich der Steuer bereit, so daß die größere Vergleichbarkeit bei dieser Berechnungsweise gegeben war.

Einige Verschiebungen haben sich auch dadurch ergeben, daß die Flickgruppe zusammengefaßt worden ist. Bei der Flickgruppe, deren geschätzter Umsatz ohne Mehrwertsteuer angegeben ist, sind Unternehmensbeteiligungen von weniger als 50 Prozent anteilsmäßig nicht berücksichtigt. Deshalb blieb auch die rund vierzigprozentige Beteiligung bei Daimler-Benz unberücksichtigt. Neu aufgenommen wurden der geschätzte Umsatz von C. & A. Brenninkmeyer. die gewerkschaftseigene Neue Heimat, das Hamburger Verlagshaus Axel Springer sowie die Deutsche Fiat AG und die Süddeutsche Zucker AG, die an letzter Stelle in unserer Liste rangiert.

Wie stark die Umsätze der Größten im Lande gestiegen sind, geht schon daraus hervor, daß im Vorjahr an letzter Stelle ein Unternehmen Aufnahme in die Liste fand, das einen Umsatz von 550 Millionen Mark aufwies. 1968 war bereits ein Umsatz von 595 Millionen Mark erforderlich, um in den Kreis der 100 größten Unternehmen der Bundesrepublik zu gelangen.

Damit hat sich die Situation gegenüber dem Vorjahr gründlich gewandelt. Denn die Umsatzentwicklung 1967 spiegelte deutlich die Folgen des Konjunkturrückschlages wider. Die Umsätze der zehn Spitzenreiter waren 1967 durchschnittlich nur um zwei Prozent gewachsen. Wenn man bei den zehn Größten noch die Umsatzgewinne abrechnete, die auf Übernahme anderer Unternehmen zurückzuführen waren, so verzeichneten sie überhaupt kein Wachstum mehr. Der Aufschwung 1968 veränderte das Bild gründlich. Wolfgang Müller-Haeseler