Der in der Bundesrepublik noch weitgehend unbekannte US-amerikanische Investment-Fonds "Ascot" hat einen interessanten Werbeweg beschritten. In ganzseitigen Zeitungsanzeigen erklärt er dem deutschen Sparer, warum er künftig, eine "Investment-Memme" sein muß. Dazu habe ihn der Deutsche Bundestag gemacht, als er das Gesetz über den Vertrieb ausländischer Investmentanteile verabschiedete, meinen die Ascot-Vertreter. Wenn das neue Gesetz im November – wie geplant – in Kraft tritt, dürfen Ascot-Anteile nicht mehr öffentlich zum Verkauf angeboten werden, weil sich der Ascot-Fund nicht der deutschen Gesetzgebung unterwerfen will.

Ascot bezeichnet sich als aggressiver Fonds. Nach seiner Satzung kann er Effektenkäufe auf Kredit vornehmen, um seine Gewinnchancen zu vergrößern. Er nimmt mehr als die nach dem neuen Gesetz zulässigen 10 Prozent an Kredit auf. Auf der anderen Seite kann er sogenannte Leerverkäufe (eine Spielart der Baisse-Spekulation) vornehmen, während das deutsche Gesetz Geschäfte, die den Verkauf nicht zum Vermögen gehörender Wertpapiere zum Gegenstand haben, verbietet.

Die Ascot-Manager haben recht, wenn sie meinen, daß diese Bestimmungen deutlich die Handschrift der inländischen Investment-Fonds tragen, die sich mit derartigen spekulativen Methoden nicht befreunden können. Wenn dem Investment-Sparer nachdrücklich klargemacht wird, welche Risiken er mit der Anlage in "aggressiven" Fonds eingeht, sollte der Gesetzgeber nicht Vormund spielen wollen. Aber wenn ein Fonds jene Anleger, welche die nach konservativen Gesichtspunkten investierende Anlagegesellschaften vorziehen, rundheraus Investment-Memmen nennt, ist das schlicht eine Unverschämtheit. Vorsichtige, risikomeidende Sparer sind noch lange keine Feiglinge.

Aus dem Ascot-Inserat geht nicht hervor, welche sonstigen Auflagen des deutschen Gesetzes nicht von ihm erfüllt werden können. Die US-Fonds mit breitem Marktanteil in der Bundesrepublik haben sich in ihrer Mehrzahl bereit erklärt, den Erfordernissen des deutschen Gesetzes Rechnung zu tragen. Für die Anteilsbesitzer ist, das wichtig, weil sie andernfalls erhebliche steuerliche Nachteile in Kauf nehmen müssen;

Daß der Effektenkauf auf Kredit bei Fonds nicht unbedingt zum Segen der Anteilsinhaber auszuschlagen braucht, beweisen ihre seit einiger Zeit rückläufigen Ausgabepreise. Nehmen wir einmal den Capital Growth Fund (Emissionsland: Bahamas), der Fremdkapital (also Kredit) bis zu 54 Prozent des Fondsvermögens aufnehmen kann. In den Zeiten der Wall-Street-Hausse war das eine feine Sache. Der Ausgabepreis zog kräftig an. Aber als die New Yorker Börse Schlag auf Schlag einstecken mußte, litt der Capital Growth Fund mehr als andere. Seit dem 31. Dezember 1967 hat sich der Rücknahmepreis seiner Anteile von 17,46 Dollar auf jetzt 9,88 Dollar ermäßigt. In etwas mehr als 18 Monaten haben die Anteilshaber also rund 49 Prozent ihrer in Capital Growth investierten Gelder eingebüßt.

Auch bei anderen aggressiven Fonds sieht es gegenwärtig nicht glänzend aus. So verringertendie Anteile von Enterprise im I. Halbjahr 1969 ihren Wert um 19,20 Prozent, der Manhattan Fonds des Wall-Street-Wunderknaben Mr. Tsai um 10,26 Prozent. Channing Growth um 17,01 Prozent, Fidelity Trend um 9,69 Prozent und Winfield Growth um 23,02 Prozent.

Die – "Pechsträhne" bei Capital Growth hat den Neuabsatz seiner Anteile natürlich in Mitleidenschaft gezogen. Kein Wunder, wenn Fonds- und Vertriebsmanager nach besseren Verdienstquellen Ausschau halten. Dies um so mehr, als die Anlagekonzeption von Capital Growth mit dem neuen deutschen Gesetz nicht in Übereinstimmung gebracht werden kann. Was liegt also näher, als einen neuen Fonds zu gründen?