Sehr sehenswert!

„Chronik der Anna Magdalena Bach“ und „Der Bräutigam, die Komödiantin und der Zuhälter“, von Jean-Marie Straub. „Week-End“, von Jean-Luc Godard. „Geraubte Küsse“, von François Truffaut. „Zwei Freundinnen“, von Claude Chabrol. „Paris gehört uns“, von Jacques Rivette. „Edipo Re – Bett der Gewalt“, von Pier Paolo Pasolini. „Gertrud“, von Carl Th. Dreyer. „Schande“, von Ingmar Bergman. „Accident – Zwischenfall in Oxford“, von Joseph Losey. „DerCircus“ (1928), von Charles Chaplin.

Alte Wildwestfilme. Während die neuen Filme immer greller, gröber oder spitzfindiger werden (die Ausnahmen siehe oben), erweisen sich die großen Western aus den vierziger und fünfziger Jahren immer mehr als eine wahre Schule des Sehens. Ihre Totalen machen den Blick weit. Ihre Ellipsen lassen fühlen, was die Sprache nur sagen kann: „Jahre vergehen...“ Ihre Helden führen uns vor Augen, was wir verloren haben. Besser als in den modernen sozialkritischen Filmen kann man in den Western die Wut auf unsere Wirklichkeit lernen. Von den schönsten Western wurden unter anderem die folgenden immer häufiger gezeigt:

„Ringo“ (1939), „Tombstone“ (1946), „Bis zum letzten Mann“ (1948), „Der Teufelshauptmann“ (1949), „Westlich St. Louis“ (1950), „Der schwarze Falke“ (1956), „Der schwarze Sergeant“ (1959), „Zwei ritten zusammen“ (1960) und „Der Mann, der Liberty Valance erschoß“ (1961), von John Ford. „Flußpiraten vom Missouri“ (1952), „Rio Bravo“ (1959) und „El Dorado“ (1967), von Howard Hawks. „Den Hals in der Schlinge“ (1951) und „Die Blaue Eskadron“ (1963), von Raoul Walsh. „Die Gejagten“ (1951), von Fritz Lang. „Mit stahlharter Faust“ (1955), von King Vidor. „Winchester 73“ (1950), „Meuterei am Schlangenfluß“ (1951), „Nackte Gewalt“ (1952) und „Über den Todespaß“ (1954), von Anthony Mann. „Geraubtes Gold“ (1958) und „Cowboy“ (1957), von Delmer Daves. „Auf eigene Faust“ (1959) und „Einer gibt nicht auf“ (1959), von Budd Boetticher. (Wird fortgesetzt.)

Im Fernsehen:

„Besondere Kennzeichen: keine“ (1964), von und mit Jerzy Skolimowski. Godard und Straub und Rocha und Bertolucci und Skolimowski! In seinem ersten Film zeigt dieser ein paar Stunden aus dem Leben eines vierundzwanzigjährigen Warschauers, der, seiner verfahrenen Existenz überdrüssig, bereitwillig die Einberufung zum Militär akzeptiert und die Stunden bis zur Abfahrt des Transports nach Hinterpommern so ziellos verbringt wie die Tage, Wochen, Monate zuvor. Man kann bei Skolimowski sehen, wie die Erfindung bestimmt wird von der Erfahrung. Ehe er auf die Idee kam, seinen Gang mit dem klatschenden Geräusch zu synchronisieren, das seilspringende Kinder hervorrufen, muß er eine Vorstellung von seinem eigenen Gang gehabt haben, dem Gang eines Boxers, der durch das Training mit dem Springball geformt wurde. Seine Filme handeln nicht nur von einem Mann, der boxt, sie stammen sichtbar von einem Mann, der es nötig fand, boxen zu lernen, wie er es nötig fand zu filmen. Wenn er in einem Holzlager darüber räsoniert, wie Holz riecht, und dann einige Gedanken darüber vorschlägt, was aus dem Holz wird, animiert er den Zuschauer, gleichfalls erst die Dinge zu sehen, zu fühlen, zu riechen, und dann erst zu entscheiden, was aus ihnen zu machen sei. ZDF am 28. Juli. (Die Fortsetzung, „Walkover“, wird am 18. August gezeigt.)

Sehenswert: