Seit Sir William Herschel im Jahre 1801 die Vermutung aussprach, die Konjunktur könne von kosmischen Einflüssen bestimmt sein, und seit man sich in dieser Vermutung in der Mitte des vorigen Jahrhunderts vorübergehend durch die berühmte Sonnenfleckentheorie von Jevons bestätigt glaubte, war es um diese eleganteste aller Konjunkturtheorien recht still geworden – bis zum vergangenen Wochenende, genauer, bis Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Erdtrabanten setzte. Seither scheint die kosmische Konjunkturtheorie, die man längst für widerlegt hielt, wieder überraschend aktuell...

Zwar ist es noch zu früh, von einer ausgesprochenen „Mondkonjunktur“ zu sprechen, aber es gibt nicht wenige Branchen, die sich von der erfolgreichen Landung auf dem Mond eine zusätzliche Belebung des Geschäfts erhoffen. Abgesehen von der Raumfahrtindustrie, dem zweitgrößten amerikanischen Industriezweig, profitieren vor allem die Mond-Spielzeugindustrie und das Verlagsgewerbe vom Mondabenteuer.

Viele Spielzeuggeschäfte haben ihre Schaufenster umgeräumt, um die Aufmerksamkeit auf das vielfältige Angebot von Weltraumspielzeug zu lenken. Im Vordergrund des Angebots stehen vor allem die Weltraumprogramme der großen amerikanischen Spielzeugfirma Mattel Inc., Hawthorne, die sich bei der Konstruktion der „Mattel’s-Man-in-Space“-Serie von der NASA-Weltraumbehörde beraten läßt.

Das Angebot dieser Firma reicht von der Miniatur-Weltraumstation (für etwa 60 Mark) über Satellitenabschußrampen, Weltraumraketen, Strahlenschutzanzüge, Weltraumzelte und Spezialabwehrwaffen für Astronauten (mit „mysteriösen Geräuscheffekten“) bis hin zur „authentischen“ Gemini- und Apollokapsel. Eine kräftige Nachfragebelebung verspricht man sich außerdem für alle Arten von Robotern und fliegenden Untertassen, die bereits seit längerem zu den bevorzugten Spielzeugen zählen.

Neben der Spielzeugwarenbranche sind es vor allem der Buchhandel und das Verlagsgewerbe, die ihre „Mond-Schäfchen“ ins trockene zu bringen hoffen, spätestens mit Beginn des Weihnachtsgeschäftes, das wahrscheinlich ganz im Zeichen des Mondes stehen wird. Den Buchhandlungen fällt es schon jetzt nicht schwer, ganze Schaufenster mit Mondbüchern, Mondkarten und Mondgloben zu dekorieren, geschweige, wenn die Bild- und Wortberichte von der jüngsten Mondlandung zur Verfügung stehen und die Rotationen noch einmal in Gang gesetzt werden.

Einen indirekten Nutzen für ihr Geschäft versprechen sich darüber hinaus die großen Warenhäuser, die ihre Schaufensterwerbung auf das Thema Mondlandung abgestellt haben. Das Düsseldorfer Horten-Kaufhaus dürfte dabei mit der Nachbildung einer haushohen Apollo-Rakete den Vogel abgeschossen haben.

Einen zusätzlichen Werbeeffekt von dem jüngsten Mondabenteuer versprechen sich auch die Firmen, deren Fabrikate mit auf die Reise zum Mond geschickt worden sind. Von Zeiss stammen die Objektive der Fotoausrüstung, die Mainzer Schott-Werke sind mit Spezialgläsern am Erfolg der Apollo-11-Mission beteiligt. Die pharmazeutische Firma Merck hält sich etwas darauf zugute, daß ihr Nasen-Spray „Navisin“ zu den wenigen Präparaten zählt, die die Astronauten in ihrer Bordapotheke haben.

Die größte amerikanische Fluggesellschaft Pan American Airways hatte schon am vergangenen Wochenende 16 700 Vorbestellungen für Mondflüge und wird diese Tatsache werblich weidlich auszuschlachten wissen. wb