DIE ZEIT

Boom 1969: Genuß ohne Reue

Nur noch neun Wochen trennen uns von dem Tag, an dem die Dämme gegen die Preisflut bröckeln werden. Noch üben die Unternehmer Preisdisziplin, um im Wahlkampf nicht der Union zu schaden – aber nach dem 28.

Fall Döpfner

Kardinal Döpfner ist von den Bistumsstellen Limburg und Mainz der Pax-Christi-Bewegung aufgefordert worden, offen einzugestehen, daß er im Falle Defregger falsche Maßstäbe angelegt habe.

Abschied von den Kennedys?

Während Amerikas Mond-Triumph, glorreicher Auftakt für die siebziger Jahre, alle Welt in Atem hielt, brachen für einen amerikanischen Politiker, der im nächsten Jahrzehnt Präsident werden wollte, die dunkelsten Stunden seines Lebens an.

Die Eroberung Utopias

Nie zuvor waren so viele Menschen in einen„Netzplan“ moderner Technik eingespannt; noch nie galt es, eine derart komplizierte Aufgabe (nicht nur) angewandter Mathematik zu lösen; kein Team war je so groß und doch so einheitlich; und noch nie handelten Technik und Politik in Zeiten relativen Friedens so kurz entschlossen, wie beim Unternehmen „Apollo 11“.

Weder Glamour noch Prestige

Ein paar Zeitungsphotos, einige Mini-Auftritte im Fernsehen, das war bis vor einigen Tagen alles, was das Regime an Publizität dem Prinzen Juan Carlos de Bourbon gewährte, den Generalissimus Franco nun als seinen Nachfolger „zu gegebener Stunde“ nominierte.

ZEITSPIEGEL

Walter Ulbricht, Vorsitzender des Staatsrates der DDR und SED-Parteichef, gab der Volksrepublik Polen an ihrem 25. Jahrestag nicht die Ehre.

Gemäßigter Gomulka

Das Viertel? Jahrhundert-Jubiläum der Volksrepublik Polen, das letzten Dienstag in Warschau gefeiert wurde, hätte genug Anlaß geboten, historische Erinnerungen und aktuelle Deutschlandpolitik auf übliche Art zu verquicken.

Polizeistaat auf einem Planeten

Zwei der bekanntesten sowjetischen Science-Fiction-Autoren haben gerade ein Buch herausgebracht, in dem detailliert und beißend ein Polizeistaat analysiert wird – ein Polizeistaat auf einem anderen Planeten, versteht sich.

Europäische „Gipfel“-Stürmer

Frankreich hat auf der Brüsseler Konferenz der sechs westeuropäischen Außenminister sein Versprechen eingelöst und eine Gipfelkonferenz der Sechs über die Zukunft der Europäischen Gemeinschaften vorgeschlagen.

In niemandes Schlepptau

Es gibt Mißerfolge, die sinnvoll sind, und es gibt Erfolge, die problematisch sind. Der Stuttgarter Kirchentag ist, so scheint mir, ein problematischer Erfolg gewesen, jedenfalls wenn man ihn in seiner Gesamtheit wägt.

Römische Gretchenfrage

In diesem Desinteresse drückt sich aber auch Resignation aus. Verwunderlich ist das nicht; denn in der dritten Woche nach dem Rücktritt des Koalitionskabinetts der „linken Mitte“ unter Mariano Rumor könnte die Lage nicht verfahrener sein.

Harte Nüsse in Asien

Wie stellt sich Washington die ostasiatische Staatenwelt und ihr Verhältnis zu den USA nach Beendigung des Vietnam-Krieges vor? Ähnlich wie der Kampf in Vietnam „vietnamisiert“ werden soll, damit die amerikanischen Streitkräfte schrittweise zurückgezogen werden können, sollen auch die politischen Bündnisse in Ostasien entamerikanisiert werden.

Machtkampf in Delhi

Indien, zuweilen als die „größte Demokratie der Erde“ bezeichnet, hat dramatische Tage hinter sich. Am 13. Juli nominierte die Delegiertenversammlung der Kongreßpartei entgegen dem Vorschlag der Ministerpräsidentin Indira Gandhi den bisherigen Parlamentspräsidenten Gandhi Reddy, einen Mann des rechten Parteiflügels, zum Präsidentschaftskandidaten.

Rotstift für die Repräsentation

In der Wiener Botschaft, meinem ersten Auslandsposten, ging die gesamte Angestelltenschaft, bestehend aus dem Archivar und der Sekretärin (die seine Frau war), gleichzeitig auf Urlaub.

Etikett von gestern

Nicht weniger als 568 großformatige Seiten füllt der fünfte Tätigkeitsbericht des Forschungsbeirates für Fragen der Wiedervereinigung Deutschlands.

Biafra im dritten Jahr

Der Krieg in Biafra geht nun in sein drittes Jahr. Ähnlich wie Vietnam so bewegt auch der afrikanische Bruderkampf die Gemüter.

Besuch aus Jugoslawien

Zum erstenmal besucht ein jugoslawischer Außenminister die Bundesrepublik. Mirko Tepavac, seit April Chef des Außenministeriums, amtierte von 1959 bis 1965 als stellvertretender Minister, davor war er Direktor des Rundfunksenders, danach Chefredakteur der „Politika“.

Meyers macht alles

Die sprichwörtliche Heiterkeit im Rheinland, mitunter eine gepfefferte Mischung aus Mutterwitz und Schadenfreude, überstieg das gewohnte Maß im Haus des Ministerpräsidenten, als Heinz Kühn seinen Gästen das Geheimnis verriet: „Franz Meyers wird mein Kommissar!“ Die zunächst verblüfften Zuhörer schlugen sich auf die Schenkel vor Vergnügen und wähnten sich in dem Glauben, fröhliche Opfer eines Possenreißers zu sein.

Von dem Glück, erster zu sein

Auf Teppichen schritt die Bonner Lokalprominenz, im kleinen Schwarzen, im Smoking gar, quer durch die Konfektionsabteilung eines Kaufhauses, traf nach zwölf Schritten auf ein Gästebuch, formierte sich zu einer Schlange und wurde am Ende der Teppichstrecke vom Hausherrn begrüßt.

Der Fall Defregger:: Wie heilig ist der Bischof?

Die Veteranen der 97. Jägerdivision, genannt die „Spielhahnjäger“, warteten vergeblich auf den Bischof, der einst als Offizier einer der ihren war und jetzt beim Kameradentreffen in Bad Reichenhall, wie auch früher schon, den obligaten Feldgottesdienst halten sollte.

Selbstherrlich

In Ludwigshafen mit seinen etwas über 2000 Einwohnern hat es geklingelt. Seitdem es die vier jungen Gemeinderäte der SPD und der „Jungen Wählervereinigung“ gewagt haben, an der Patina des 53 Jahre alten Bürgermeisters und CDU-Kreisvorsitzenden Hans Klingler zu kratzen, fällt es den Bürgern wie Schuppen von den Augen.

Fortschritt oder Reaktion?

Die Literatur über den deutschen Widerstand ist für den Normalleser unübersehbar geworden. Manches von dem, was in letzter Zeit erschien, ist nicht bloß wissenschaftlich interessant, sondern verdient, einem größeren Publikum angezeigt zu werden.

Alles über den Verfassungsschutz

Spionagefurcht und mysteriöse Selbstmordfälle in Bonn, ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß, der die umstrittene Wirksamkeit der deutschen Abwehr untersuchen soll, ein Kabinettsbericht über Kompetenzen und mangelnde Kooperation der Geheimdienste, neuerdings der Porst-Prozeß – dieses schlagzeilenträchtige Geschehen verleiht dem Handbuch über Schutz und Schützer der Verfassung Aktualität.

Mann von Geist und Tat

Der Verlag Eugen Diederichs in Düsseldorf bereitet eine deutsche Übersetzung des Buches vor, die unter dem Titel „Adam von Trott“ – Eine deutsche Tragödie (etwa 320 Seiten mit 16 Bildtafeln; 22 Mark) im September erscheinen soll.

Apollo 11 – und was danach?

Der Mondflug von Apollo 11 war ein Höhepunkt, gewiß aber nicht der letzte Schritt, den die Amerikaner im Kosmos taten. Auf Kap Kennedy wird bereits Apollo 12 montiert – ebenfalls in Richtung Mond.

Dokumente der ZEIT

Flugleitung: Ihr seht großartig aus, Adler, ihr seid „go“ für die Landung. Adler: Verstanden. Go für die Landung, 3000 Fuß..

Bonn: Schwacher Kompromiß

Die Bundesregierung hat den Versuch unternommen, den Streit um Währung und Konjunktur bis zur Wahl auf Eis zu legen.........

Obolus in der Mütze

Als sich im Juni in Köln der Gesamtverband der deutschen Schriftsteller gründete, hielt Heinrich Böll ihm eine Rede. Die Rede handelte nicht von Geist und von Wesen, sie handelte auch nicht vom Stand der Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse.

Fernsehen: ... und blieben im Dunkel

In tiefer Nacht endlich, es wurde draußen schon hell, kamen die Bilder: Ein gepolstertes Bein schwebte an der Leiter entlang, Mondmänner, die manchmal wie dicke Puppen, dann wieder wie Fabelwesen aus der Stummfilmzeit aussahen, durchmaßen den Krater, aus einem Taucherhelm kamen die Worte: Planet Erde, in Frieden, Präsident der Vereinigten Staaten.

Rot – nichts für Frauenherzen?

Nun weiß ich auf Grund meines Herkommens und meiner Erziehung ganz genau, was Ihnen bei den übrigen zur Wahl stehenden Parteien im letzten Augenblick, wenn Sie in der Wahlkabine stehen, Unbehagen bereitet.

Aus eins mach drei

Nach einem halben Jahr der Agonie hat die „Deutsche Gesellschaft für Bildende Kunst (Kunstverein Berlin) e. V.“ in der vergangenen Woche ihren Geist aufgegeben.

Fresken auf Tournee

Die äußere Erscheinung eines Kunstwerkes, die ein Betrachter erblickt, ist die Hülle, unter der sich komplizierte gestalterische Operationen verbergen.

Der ehrbare Antisemitismus

De Gaulle fiel. Manch einem war trüb zumut wie einem Heineschen Grenadier; mir auch, mir auch. Nur leider, daß in New York dem französischen UNO-Delegierten Armand Berard nichts Besseres einfiel, als verzweifelt auszurufen (laut Nouvel Observateur vom 5.

ZEITMOSAIK

Zuerst und wirklich, nämlich wirkend, sind die Ideen, die bis ins einzelne durchgezeichneten und durchgerechneten Vorbilder.

Ent oder weder

Er ist der Philosoph dessen, was noch nicht ist, ein Prozeß-Denker des Zukunftmachens; Verfasser einer ungeheuren Bergpredigt, die Prinzip Hoffnung betitelt ist: eines Großkatalogs der utopischen Vorkommen in der Welt; der Erfinder verschiedener dialektischer Kategorien und des marxistischen Werbeslogans vom aufrechten Gang, von der konkreten Utopie.

Hamlets Rache mit Lücken

Durch Gerhard F. Herings entschiedene Schauspielerführung wurde eine Chance Hersfelds sichtbar, mit der dieses Theater über die üblichen Sommertheater herausragen kann.

FILMTIPS

„Chronik der Anna Magdalena Bach“ und „Der Bräutigam, die Komödiantin und der Zuhälter“, von Jean-Marie Straub. „Week-End“, von Jean-Luc Godard.

Kunstkalender

Die Bilder von Sarah Haffner sind so sachlich, so schmucklos, so exakt wie wissenschaftliche Untersuchungen; Malerei nicht als ästhetische, sondern als faktische Information.

Die deutsche Welle als Weltenrichter

Sie heißt „Deutsche Welle“ und ist mehr. Der deutsche Auslandsfunk verleiht Programms deutscher Rundfunk- und Fernsehanstalten ans außereuropäische Ausland: treibt sozusagen Entwicklungshilfe im Äther.

KRITIK IN KÜRZE

„Professor Mmaa’s Vorlesung“, Roman von Stefan Themerson. An verwandte Vorgänger wie Swifts „Gullivers Reisen“ und Butlers „Erewhon“ kommt dieser groteske, satirische Science-Fiction-Roman, der 1943 entstanden ist und in einem Termitenstaat unter der Erdoberfläche spielt, zwar bei weitem nicht heran, doch streckenweise macht es schon Spaß, ihn zu lesen.

Die Ehe des Herrn Godeau

Eigentlich konnte man es nach der Chronik der ersten beiden Bände voraussagen: wenn dieser Godeau heiratet, ist es mit jenen ausschweifenden Szenerien vorbei, in denen der junge Mann als Nachfolger der decadents der Jahrhundertwende schwelgte.

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