Berlin Bis zum 10. August, modern art galerie: "Sarah Haffner"

Die Bilder von Sarah Haffner sind so sachlich, so schmucklos, so exakt wie wissenschaftliche Untersuchungen; Malerei nicht als ästhetische, sondern als faktische Information. Das "Bildnis eines Bücherregals der bürgerlichen Linken" geht noch über den beliebten naturalistischen Trompe-I’œil-Effekt hinaus. Der Betrachter soll nicht bloß glauben, einem realen Bücherregal gegenüberzustehen, die Bücher in die Hand nehmen zu können. Er wird über die Lesegewohnheiten des Besitzers dieser Bücher orientiert. Sage mir, was du liest, und ich sage dir, wer du bist. Rosa Luxemburg, alle Kursbücher, viel Brecht, Thomas Mann, Fanny Hill, Shakespeare englisch. Das Regal in natürlicher Größe, der Grad der realistischen Ausführung bestimmt sich nach der Lesbarkeit der Buchrücken. Das Porträt eines Linksintellektuellen. Oder auch ein "Porträt meines Küchenschrankes". Die räumliche Illusion der nach vorn aus dem Bild klappenden Gegenstände wird in den oberen Etagen wieder in die Zweidimensionalität zurückgenommen, der Porträtcharakter resultiert aus der Abweichung von dem Schrank, den die Kamera reproduzieren würde. Sarah Haffner exemplifiziert soziologischen Realismus als eine bemerkenswerte Variante unter den vielen neuen Realismen.

Frankfurt Bis zum 16. August, Frankfurter Kunstkabinett, Hanna Bekker vom Rath: "Wifredo Lam"

Dreißig Arbeiten, Gemälde, Zeichnungen (auch unbekannte frühe Blätter) und Farblithographien, ein Konzentrat aus 25 Jahren, vom "Oiseau-Papaya" 1944, wo Wifredo Lam das Dschungel-Motiv mit üppiger Koloristik und detaillierter Urwaldvegetation gestaltet, bis zu den in Deutschland noch nicht gezeigten Bildern von 1968 "La barrière", "Le jour se lève" und "De la même brauche", in der reduzierten Skala von Braun und Grau mit Einschüben von Schwarz und Weiß und ausgemergelten Formen, Tierskelette, Pfeile und Schwerter. Urwalddämonen. Surrealismus mit kubanischer Folklore, unter diesem Etikett hat der gebürtige Kubaner Weltgeltung erreicht. Wifredo Lam, ein Freund von Fidel Castro, verfolgt mit seiner Malerei keine politischen Ambitionen, er gilt als Beispiel dafür, daß politisches Engagement und künstlerisches Schaffen nichts miteinander zu tun haben müssen. Als sich vor zwei Jahren Künstler aus vielen Ländern in Havanna trafen und zum Jahrestag der Revolution ihr "Quadro collectivo" schufen, da war das Mittelfeld für den Kubaner Wifredo Lam reserviert, und Lam malte kein politisches Motiv wie die meisten seiner Kollegen, er malte die gleichen zugespitzten abstrakten Formen, die man aus seinen Bildern kennt, und sie wurden mühelos und generell als Aggressionsmotiv, als die lapidare künstlerische Formel für permanente Revolution akzeptiert. Lams dämonischer Urwald läßt sich als Schauplatz altindianischer Götzen, aber zur Not auch als Versteck für fidelistische Partisanen verstehen.

Weiterhin im Programm:

Hamburg Bis zum 10. August, Kunsthalle: "Pablo Picasso"

Ein Dialog mit der eigenen Vergangenheit, die Reaktivierung aller Motive und Themenkreise: Maler und Modell, antike Mythologie, Velasquez, Rembrandt, Cranach, die Zirkusarena, das Türkische Bad. Eine Folge von 347 Radierungen, entstanden zwischen März und Oktober 1968.