Von Karl Heinz Wocker

London, im Juli

In der Wiener Botschaft, meinem ersten Auslandsposten, ging die gesamte Angestelltenschaft, bestehend aus dem Archivar und der Sekretärin (die seine Frau war), gleichzeitig auf Urlaub. So mußte ich als junger Beamter die Akten registrieren, die Kasse führen und die Depeschen dechiffrieren, da ich jedoch nicht auf der Schreibmaschine schreiben konnte, fiel das dem Gesandten zu. Aber auch so hatten wir nach dem Mittagessen selten etwas zu tun. Ich ging dann meist in der Donau baden. Auf dem Rückweg sah ich noch einmal nach, ob sich etwas getan hatte. Aber das kam so gut wie niemals vor.

Dieses Idyll britischer Diplomatie stammt nicht aus viktorianischen Tagen. Der es mitgeteilt hat, Sir William Hayter, hat seine Karriere in Wien 1931 begonnen. Von den Empfehlungen der Duncan-Kommission, die jetzt den britischen Auslandsdienst durchleuchtet hat, scheint das mehr als ein Jahrhundert entfernt zu sein; da wird auf 200 Seiten das Bild eines gleichzeitig reduzierten und verbesserten, mit Dauerflugscheinen, Telexgeräten und Volkswirtschaftskenntnissen ausgerüsteten Allround-Diplomaten entworfen, der in die Welt hinausgeschickt wird aus einem neuerbauten Foreign Office, in den der nächste Premierminister Edward Heath nicht mehr eine halbe Stunde im Lift steckenbleibt, wie es ihm vor einigen Jahren passierte.

Sir Val Duncan, ein Industrieller mit Erfahrungen im Kontrollrat für Deutschland, Sir Frank Roberts, Exbotschafter in Bonn, und der Ökonom Andrew Shonfield haben ihren Bericht in einer Rekordzeit von zehn Monaten fertiggestellt. Sie hielten 153 Sitzungen ab und besuchten 42 Auslandsposten von Caracas bis Singapur. Was sie vorschlagen, könnte zur dritten Reform englischer Diplomatie binnen weniger Jahre führen:

1965 erst war ein einheitlicher diplomatische: Dienst geschaffen und

1968 das Foreign Office mit dem Commonwealth Office zusammengelegt worden (das seinerseits zwei Jahre zuvor das Kolonialamt absorbiert hatte).