Von Herbert Lazar

Die Erbauer hatten es mir vorausgesagt: „Sie werden’s merken. Das ist eine Sexbombe unter den Volkswagen. Da springen ihnen ganze Lyzeumsklassen hinterher.“ Nach 300 Metern war es bereits passiert: ein Auf fahrunfall; der Fahrer hatte sich den Hals nach der „Sexbombe“ verrenkt, statt auf den Vordermann zu achten. Der Augenmagnet war keine exotische Spörtrakete, sondern ein deutscher „Buggy“.

Dieser Typ ist noch so neu in Europa, daß man ihn einem seriösen Publikum erklären muß: Ein „Buggy“ – ursprünglich ein auf der Trabrennbahn benutzter leichter Einspänner mit hohen Rädern, danach in Amerika ein vierrädriger Renn- und Straßenwagen – ist ein gedrungenes, abenteuerlich anmutendes offenes Auto mit möglichst überdimensionalen Hinterrädern, dessen Ahn der frühere deutsche Kübelwagen gewesen sein könnte. Rasse hat er nicht, sondern Pfiff. Ein Auto mit Pep für die Pop-Generation. Eine freche Promenadenmischung, in der man jedoch den illegitimen Sproß aus dem Hause VW erkennen wird. Ungefähr 20 000 „Buggys“ soll es in Amerika geben; die wenigsten sind zugelassen. Man fährt sie im Gelände, vorzugsweise am Strand.

Ein Auto „nur so zum Spaß“ wollen anscheinend’auch in der Bundesrepublik viele. Die Redakteure der „Guten Fahrt“, der Zeitschrift für Volkswagenfahrer, haben das zu spüren bekommen. Eigentlich wollten sie ihren bastelfreudigen Lesern nichts weiter als die Anleitung geben, wie man sich einen „Buggy“ selbst bauen kann. Doch sie hatten die Begeisterung der Autofans für das Extravagante unterschätzt. Eine Flut von Anfragen überschwemmte die Redaktion. Aus der Bastelanleitung wurde der Prototyp einer Serie. „Floh 1“ steht in seinem Kraftfahrzeugschein.

Dabei hat sich Erstaunliches gezeigt: An einem solchen Fahrzeug begeistern sich keineswegs nur junge Leute, sondern auch reife Herren, die respektable Autos fahren und sich offenbar davon mit einem Zweitwagen erholen möchten. Es interessierten sich Zulieferfirmen dafür, die mit der Produktion für Alltagsautos ausgelastet sein müßten, und es fragten Volkswagenhändler an, die sich offenbar von einem „Buggy“ im Schaufenster eine Hormonspritze für das Verkaufsgeschäft versprechen. Auch die Firma Karmann möchte sich von dem zu erwartenden Geschäft mit der Journalistenkonstruktion ihr Scheibchen abschneiden. Der neueste Stand: Karmann wird von August an den Vertrieb des „Gute-Fahrt-Flohs“ übernehmen.

Doch den „Buggy“ bekommt man nicht fertig; man muß ihn sich selbst zusammenbauen oder von einer Werkstatt bauen lassen. Die Basis ist ein VW-Käfer, dessen Karosserie schrottreif sein kann – man braucht sie nicht, sondern vor allem die Bodenplatte und den Motor. Die Bodenplatte wird im letzten Drittel um 273 Millimeter verkürzt (die Schweißarbeit muß in jedem Fall eine Werkstatt ausführen). Der Konstrukteur des „Buggys“, der Ingenieur Hans-Rüdiger Etzold, versicherte, die Art seines Trennschnittes erlaube es, beim Zusammenschweißen auf besondere Verstärkungslaschen, unter Fachleuten „Angstlaschen“ genannt, zu verzichten.

Die Verkürzung macht das Fahrzeug wendig, und sie kommt der Stabilität der Kunststoffkarosserie zugute. Die Karosserie aus glasfaserverstärktem Polyester, verkürzte Seilzüge, der Windschutzrahmen mit Scheibe, zwei Auspufftöpfe, zwei Lampen, ein Überrollbügel und das Segeltuchverdeck gehören zu dem Bausatz, den man von Karmann für 2950 Mark bekommen kann. Kaufen muß man sich noch die Hinterräder – es müssen freilich nicht unbedingt die vom Prototyp sein, die für kein geringeres Auto als einen Mercedes 600 bestimmt sind (Reifenpreis 250 Mark). Alles andere ist dem Käfer „entbeint“.