Ich hoffe doch sehr, daß keine der Mäuse stirbt“, sagte der Apollo-11-Astronaut Michael Collins; und wenn diese Hoffnung in Erfüllung geht, dann wird die Quarantäne, in die er zusammen mit seinen Kameraden Neil Armstrong und Edwin Aldrin nach der Rückkehr vom Mond gesteckt ist, nicht über den 11. August hinaus verlängert. Jene Mäuse sind Tiere ganz besonderer. Art. Sie sind in einer keimfreien Umgebung durch Kaiserschnitt auf die Welt gekommen. Nach der Rückkehr der ersten Mondbesucher sollen sie mit Bodenproben vom Mond gefüttert werden. Sterben sie an der lunaren Kost, so könnte das unter. Umständen ein Anzeichen dafür sein, daß es gefährliche Krankheitserreger auf dem Mond gibt. Und die Astronauten müssen dann damit rechnen, so lange von aller Welt abgeschlossen zu bleiben, bis die Krankheitserreger gefunden sind.

Nicht nur an Mäuse, sondern auch an Vögel, Fische, Austern, Krabben und sogar Insekten sollen winzige Portionen von zu Pulver zerstampfter Mondmaterie verfüttert werden. Auch wie sich bestimmte Pflanzen mit den Gesteinproben vom Mond vertragen, soll geklärt werden.

Die Chance, daß tatsächlich gefährliche Krankheitskeime durch die Astronauten vom Mond zur Erde gebracht werden, ist zwar verschwindend gering. Fachleute haben sie mit eins zu mehreren hundert Millionen oder gar eins zu einer Milliarde angegeben. Dennoch hat die „Amerikanische Akademie der Wissenschaften“ äußerst genaue Empfehlungen für die Quarantäne von Armstrong, Aldrin und Collins ausgearbeitet.

Das begann schon damit, daß den beiden Astronauten gewisse kicking actions (also Stoßbewegungen) vorgeschrieben waren, durch die sie Staubpartikel bei ihrer Rückkehr ins Mondboot von ihren Raumanzügen und Schuhen abklopfen sollten. Auch waren sie gehalten, die neun Sprossen, die zur Luke ihres Raumschiffes hinaufführen, sozusagen als Fußabkratzer zu benutzen. Im sozusagen selbst wurden dann Handschuhe, die speziellen Mondstiefel, zwei. Versorgungskanister, eine Hasselblad-Kamera sowie weitere Utensilien in einen Sack gesteckt und zur Luke hinausgeworfen. Sie blieben zurück.

Praktisch setzte die Quarantäne zu dem Zeitpunkt ein, da die Astronauten die Luke ihres Raumschiffes am 21. Juli 1969 für den Rückstart zur Erde endgültig verschlossen hatten. Sie wird nur einmal unterbrochen, gleich nach der Wasserung der Apollo-Kapsel, wenn ein Froschmann die Luke der Apollo-Kabine öffnet, ein Paket hineinwirft und sie wieder schließt. In diesem Paket befinden sich drei keimfreie Spezialanzüge, zu denen auch ein Kopfüberzug und eine Atemmaske gehörten. Die Astronauten schlüpften in diese neue Kleidung, die dafür sorgen sollte, daß keine eventuell vom Mond mitgebrachten Mikroorganismen in die irdische Atmosphäre gelangen. Danach haben die Astronauten ihr Raumschiff sofort zu verlassen. Die Luke wurde wieder geschlossen. Auf dem Schlauchboot wurden dann Armstrong, Aldrin und Collins mit einem Desinfektionsmittel abgesprüht. An Bord des Bergungschiffes verschwinden sie sofort in einem Wohnwagen, der später von einem „Starlifter“ der amerikanischen Luftwaffe nach Texas ins „Manned Space Flight Center“ geflogen wurde.

Im „Zentrum für den bemannten Raumflug“ in Houston ist mit einem Kostenaufwand von insgesamt 15,8 Millionen Dollar (das sind immerhin mehr als 63 Millionen Mark) das Lunar Receiving Laboratory eingerichtet worden, in dem die drei Mondpiloten bis zum 11. August verschwinden. Innerhalb dieses sorgsam gegen die Außenwelt abgeschlossenen dreistöckigen Gebäudes werden die vom Mond mitgebrachten Bodenproben von rund 200 Wissenschaftlern und Technikern sortiert, photographiert, zerstampft, verbrannt, geschliffen, berochen, bestrahlt, an Tiere verfüttert und auf vielerlei Art untersucht.

Während die drei Astronauten in dem keimfrei gehaltenen Gebäude ihre schmucklosen Räume beziehen, in denen sie 24 Stunden am Tag unter ärztlicher Kontrolle stehen, werden an einigen der Proben in aller Eile zunächst einmal zwei Untersuchungen vorgenommen: 1. ob das Mondgestein Gase und 2. ob es Radioaktivität abgibt. Diese Experimente werden deshalb mit Vorrang ausgeführt, weil man befürchtet, daß die Bodenproben schnell ausgasen oder eine schwache Radioaktivität verlieren könnten. In einem anderen Laboratorium im selben Gebäude wird danach analysiert, ob die Mondmaterie magnetischen Charakter hat.