Zuerst und wirklich, nämlich wirkend, sind die Ideen, die bis ins einzelne durchgezeichneten und durchgerechneten Vorbilder. Diese Vorbilder werden dann im Material der Wirklichkeit nachgebildet. Das, was wir sehen, wenn man uns sogenannte authentische Abbildungen großer technischer Produkte, zum Beispiel der Apollo-Raketen, präsentiert, sind also Bilder von Nachbildungen von Vorbildern. Die zu früh veröffentlichten Bilder in den Zeitschriften sind mithin, philosophisch gesehen, durchaus keine Fälschungen, vielmehr wahre Dokumentationen unseres technischen Zeitalters, in dem sich das Verhältnis von Bild und Wirklichkeit auf den Kopf gestellt hat. Günther Anders

Trauerspiel

Die Bundesassistentenkonferenz (BAK) scheut sich nicht, den ersten großen Mißerfolg ihres Verbandslebens in aller Offenheit zu annoncieren: Ihre Absicht, eine Bundeshochschulkonferenz zur Beratung über eine sinnvolle Hochschulreform einzuberufen, ist gescheitert. An dieser Konferenz sollten einerseits als Delegierte der Universitäten Professoren, Assistenten und Studenten teilnehmen, andererseits die Hochschulpolitiker aus Bund und Ländern. Der Plan scheiterte an professoralen Bedenken, am gelangweilten Desinteresse sozialistischer Studenten und an Terminschwierigkeiten der Kultusminister. Die BÄK hofft nun darauf, daß die Politiker nach dem Wahlkampf wieder mehr Neigung zur Kooperation zeigen. Das mißglückte Unternehmen präsentiert sich als gelungenes Abziehbild der desolaten Hochschulsituation. Nichts Neues also. Die BAK indessen, die sich als Stimme der Vernunft und Mittler zwischen den Extremen sieht, sollte sich klarmachen, daß sie mit ihrer Mitteilung ein liberales Trauerspiel annonciert.

Aktivator Gatti

Armand Gattis Inszenierung seines Stückes über den Kampf der guatemaltekischen Befreiungsarmee (F.A.R.) im Staatstheater Kassel war schon während der Proben begleitet von direkter politischer Arbeit der „Projektgruppe Guatemala“. Schüler und Lehrlinge forderten auf Flugblättern und Teach-ins, die Guerilla nicht als „linkes Alibi eines liberalen Spielplans zu konsumieren“, sondern durch Spenden auf das Sonderkonto Guatemala Nummer 111 740 bei der Stadtsparkasse Kassel zu unterstützen. Die von Gatti intendierte Gleichzeitigkeit von theatralischer und politischer Aktion (siehe DIE ZEIT Nr. 29 vom 18. Juli 1969) ist über Kassel hinaus wirksam geworden: Der Bundesvorstand der Humanistischen Studentenunion bereitet in Frankfurt eine bundesweite Guatelama-Kampagne vor.

Australische Rekorde

Australiens Image, bisher aus Tennis und Känguruhs gemixt, wird um eine neue Variante reicher gesehen werden müssen, seit die Zensoren des fünften Kontinents in so hektische Tätigkeit ausgebrochen sind, daß darüber sogar die Prioritätsansprüche des Heiligen Stuhls ins Wanken geraten könnten. Der stattlichen Liste verbotener Bücher wurde, man ist schließlich auf dem laufenden, nicht nur Philip Roths jüngster Bestseller „Portnoy’s Complaint“ hinzugefügt, man besteht auch darauf, daß die Anweisungen über „Geburt ohne Furcht“ der Öffentlichkeit vorenthalten werden sollen. Australischen Frauen stehen landeigene Informationen ja schließlich auch genügend zur Verfügung, denn so, wie die kleinen Känguruhs in den Beutel, werden die Babys wohl auch weiterhin irgendwie in den Kinderwagen geraten.