Der sich zu Beginn der Vorwoche am deutschen Aktienmarkt anbahnende Kursverfall konnte inzwischen gestoppt werden. Zu den ermäßigten Kursen wurde das relativ geringe Angebot von einigen langfristig disponierenden Anlegern, darunter auch Fonds, aufgenommen. Der durch rechtzeitige Gewinnmitnahmen mobile Berufshandel machte ebenfalls mit. Auf diese Weise wurde ein großer Teil der Einbußen wieder ausgeglichen. der allgemeinen Freude über die rasche Kurserholung ging die Nachricht von der weiteren Erhöhung der Mindestreserven einfach unter. „Es hätte schlimmer werden können“, meinten viele Börsianer sorglos.

Es gibt aber auch warnende Stimmen. „Keine Börse kann auf die Dauer gedeihen, wenn die Notenbank fest entschlossen ist, das Geld knapp und teuer zu machen.“ Viele Leute bedauern heftig, daß sie auf dem Höhepunkt der Juni-Hausse nicht ausgestiegen sind. Sie hoffen jetzt auf eine neue Spekulationswelle im Zusammenhang mit den wieder intensiver gewordenen Aufwertungsdiskussionen. Aber der Neuzustrom von heißem Auslandsgeld ist vorerst bescheiden. Die Ausländer wissen, daß vor den Bundestagswahlen bei uns in Sachen Währung nichts geschehen kann.

Den Börsianern bleibt die Hoffnung auf Spezialbewegungen. Man ist geneigt, jedem einigermaßen handfesten Gerücht Glauben zu schenken. Daraus erklärt sich die stabile Haltung des Salzdetfurth-Kurses. Angeblich will der geheimnisvolle Unbekannte zu 250 Prozent abfinden. Bei der Deutschen Conti-Gasgesellschaft wird die Allianz wahrscheinlich ihre Schachtelbeteiligung an das RWE abgeben. Die Neuordnung der Aktionärsverhältnisse hat die Hoffnung auf eine Abfindung der freien Aktionäre wachsen lassen.

K. W.