Wirtschaft

Weniger Tankstellen

Mit dem Mineralöl und seinen Produkten lassen sich zur Zeit in der Bundesrepublik keine goldenen Berge verdienen. Daraus hat die Esso AG, hundertprozentige Tochtergesellschaft der Standard Oil Co (New Jersey) die Konsequenzen gezogen.

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DIE ZEIT

Nixons asiatische Abschiedsreise

Präsident Nixons Antrittsbesuch in Asien ist fast schon ein amerikanischer Abschiedsbesuch. Die geplante Schrumpfung der amerikanischen Machtposition auf bloße politische Präsenz und wirtschaftliche Hilfe beendet eine ambitiöse Ära der Außenpolitik: Der Drang der USA nach Asien gehört der Vergangenheit an.

Buhlen um das Publikum

Heidi Brühl, Moshe Dayan und Ted Kennedy haben eines gemeinsam: Ihnen können nur noch ihre Fans helfen. Die deutsche Showstellerin fordert ihre Anhänger in Bild auf, für sie auf die Barrikaden zu steigen, um den Direktoren des Fernsehens zu demonstrieren, daß des Volkes Ohr die Weisen von Heidi Brühl zu hören wünscht.

Signale aus Moskau

Die besondere Art der Beziehungen, die nun schon seit zwei Jahrzehnten das Ost-West-Verhältnis charakterisiert, läßt sich vielleicht am ehesten als ein reziprokes Zusammenspiel von Furcht bezeichnen: Jeder projiziert seine eigene Angst in den anderen hinein und leitet daraus die Rechtfertigung für die Annahme ab, der andere habe finstere Pläne im Sinn.

Strauß und die Tiere

Wenn es gar nichts anderes Schlimmes in Deutschland gäbe – Franz Josef Strauß brächte es im Alleingang fertig, der APO ihre Daseinsberechtigung zu liefern.

Auf Kollisionskurs?

Die bisher schwersten Zwischenfälle seit Ende des Sechs-Tage-Krieges“ – diese Meldung begleitet seit Monaten die Eskalation der Zwischenfälle an Jordan und Suezkanal.

Ein Gewehr in Kinderhänden

Das Signal ertönt, die Trommel wird gerührt, der Sturm auf die Schneefestung beginnt. Schneebälle fliegen hin und her, und jeder Treffer zählt.

„...dann übernimmt Teddy”

Ich werde“, so hatte Ted Kennedy vor einem Jahr ausgerufen, „die gefallene Standarte, die meine Brüder getragen haben, wieder aufnehmen.

ZEITSPIEGEL

„Wie kann das jüdische Jerusalem sich durch erhebliche Spenden von einem Axel Springer bestechen lassen, ihn als freiheitlichen Demokraten feiern, weil er vordergründig philosemitisch auftritt und mit seinem sehr merkwürdigen Wohltätertum verdeckt, daß er in seiner Presse gegen Dutschke und die Linke hetzt wie einst die Nazipresse gegen die Juden.

Wie zu Stalins Zeiten

Heute stehen die Gefangenenlager für politische Häftlinge denen aus der Stalin-Ära in nichts nach“, schreibt Anatoly Marchenko in seinem „Erfahrungsbericht“, den er „Mein Testament“ nennt.

Bonner Schau-Gefecht

Es ist schon ein merkwürdiges Schauspiel: Da stellen die Partner der Großen Koalition in Bonn ein solches Ausmaß der Meinungsverschiedenheiten über die Wirtschaftspolitik fest, daß eigentlich jedermann, einschließlich des Bundeskanzlers, der Ansicht ist, normalerweise hätte dieser Streit das Ende der Koalition bedeutet.

Wütend auf Westberlin

Was macht die Zeitungen der DDR so wütend auf Westberlin? Ihre Agitation gegen diese Stadt hat sich in den letzten Wochen zusehends verschärft, was man angesichts der bisher schon giftigen Kommentare kaum für möglich gehalten hätte.

Frauen haben es besonders schwer

Europa ist ihr Ziel, eine Rose ihre Waffe. Doch ihr Weg ist mehr mit Dornen als mit Blättern bestreut. Denn Katharina Focke will gewählt werden.

Kult um Ceausescu

Noch nie habe Rumänien so viele Freunde besessen, rief der rumänische Parteichef Ceausescu dieser Tage auf einer der zahllosen Volksversammlungen, von denen er – wie ein mittelalterlicher König von Stadt zu Stadt reisend – gefeiert wird.

Moskau hofft auf weitere Besucher

Welcher Partei der nächste Moskau-Besucher aus den Reihen bundesdeutscher Parlamentarier auch angehören mag, ob er mit Breschnjew oder mit Kossygin plaudern wird – zu der Lebensfragen der Nation wird er keinen anderen Bescheid nach Hause tragen als die FDP-Politiker Scheel, Mischnick und Genscher.

Ein Jahr nach dem Einmarsch

In drei Wochen jährt sich der Tag, an dem die sowjetischen Invasionstruppen dem „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ in der ČSSR ein jähes Ende bereitet hatten.

Vor Bürgermeister Vogel kuschen alle: Jongliert mit Millionen

Er ist immer Vorbild. Schon morgens. Er bedient sich regelmäßig der städtischen Verkehrsbetriebe auf seiner Fahrt ins Rathaus und kann deshalb als „Abendzeitung“-Kolumnist seinen Mitbürgern versichern: „Die Münchner Straßenbahn ist gar nicht so schlecht und jedenfalls besser als ihr Ruf.

Komplimente für Bonn

Brandt nahm den offiziellen Besuch seines Belgrader Kollegen zum Anlaß, den östlichen Nachbarn Gespräche über alle aktuellen Fragen Mitteleuropas anzubieten.

Nasser: „Abnutzungskrieg“ gegen Israel

Unter kriegerischen Reden auf allen Seiten haben sich die Kämpfe im Nahen Osten innerhalb der letzten vierzehn Tage auf eine neue gefährlichere Stufe eskaliert: Mindestens dreimal lieferten sich die Luftstreitkräfte Israels und Ägyptens schwere Gefechte über dem Suezkanal und der Halbinsel Sinai – zuletzt am Montag dieser Woche.

Apollo 11 sicher zurück

Mit der Präzision eines Uhrwerks sind die drei amerikanischen Astronauten Neil Armstrong, Edwin Aldrin und Michael Collins Mitte voriger Woche an Bord von Apollo 11 im Pazifik niedergegangen.

Nixon für Selbsthilfe Asiens

Auf dem Prestige-Polster des amerikanischen Mond-Triumphes hat Präsident Nixon am vorigen Wochenende seine Reise durch sieben Staaten Asiens und Europas angetreten.

Lähmung der Koalition

Trotz Sommerpause stehen in Bonn sämtliche Koalitionssignale auf Rot: Wenigstens in der Währungs- und Konjunkturpolitik sind die Entscheidungsmechanismen der Regierung blockiert.

Dokumente der ZEIT

Bei der Eröffnungssitzung des neugewählten polnischen Parlaments hat Dr. Stanislav Stomma, der Vorsitzende des dem Episkopat nahestehenden katholischen Abgeordnetenkreises „Znak“, seine Zustimmung zum Gomulka-Vorschlag an Bonn mit der Forderung nach einer weitergehenden deutsch-polnischen Verständigung und mit kritischen Bemerkungen zur bisherigen polnischen Haltung verbunden.

Jagdszenen in Niederbayern

Peter Fleischmann hat Martin Sperrs Theaterstück „Jagdszenen aus Niederbayern“ zu einem Drehbuch umgeschrieben und mit Sperr in der Hauptrolle verfilmt: Der junge Mechaniker Abram hat wegen homosexueller Delikte in Landshut im Gefängnis gesessen; in sein Heimatdorf zurückgekehrt, sickert seine Vergangenheit durch, die Bauern hänseln und jagen die „Drecksau“ (so seine eigene Mutter), treiben ihn schließlich zum Mord und übergeben ihn der Polizei.

Sein eigener Zeitgenosse

Meinen Zeitgenossen gewidmet", schrieb Dix unter die "Prager Straße", die er 1920 gemalt hat. Die Prager Straße ist Milieu und Symbol, die topographische Absicherung gegen die damals grassierende expressionistische Emphase.

Gestörtes Leben in Karlsruhe

In Karlsruhe ist Unruhe entstanden. Diesmal geht es nicht um die Frage „Natrium oder sondern bei der Entwicklung von Brutreaktoren, sondern um das Thema „Hierarchische Leitung oder Kollegialsystem“.

ZEITMOSAIK

Ihr Alter hat die Institutionen nicht ehrwürdig gemacht; im Gegenteil, sie diskreditieren sich nur mit jedem Tag mehr, indem sie altern; und, seltsam genug, sie flößen um so größeren Haß ein, je unschädlicher sie durch ihren Verfall zu sein scheinen.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Ganze eine Minute zweiundfünzig Sekunden lang spielt der Pianist mit der linken Hand eine Hin-und-Her-Bewegung auf zwei, drei Tönen, dazu mit der rechten in einer nicht ganz eindeutigen Tonart etwas wie eine volkstümliche Melodie, zart, leise, eigentlich nur so dahergeplaudert.

Passierschein für Ostberlin (I)

Eigentlich hatte ich es mir mühsamer vorgestellt: Prinzenstraße, Moritz-Platz, Heinrich-Heine-Straße – es ging immer glatt. Dieses komische Gefühl jeden Morgen, wenn man den Westberliner Zollposten verlassen hat und in diese unheimlich dicke Mauer einfährt.

Fernsehen: Wie Klein Emil groß wurde

Während die Blicke himmelwärts gerichtet sind und wir, wie einst über dem schöneren Jenseits, über der Mondfahrt das Jammertal hienieden vergessen; während ausgebeutet und verreckt, verdient und gedient wird, spielt man den Walzer Im Krater blühn wieder die Bäume (die alte Pointe gewinnt plötzlich Aktualität); während Armstrongs, Aldrins und Collins’ Konterfeis die Münzen, Fahnen und Humpen verzieren, ist von den drei Männern im Feuerofen, den Astronauten, kaum noch die Rede, die vor ein paar Jahren in ihrer Kapsel kläglich verbrannten und eine Ewigkeit lang, mehr als hundert Sekunden, Todesangst hatten.

Ein Pole im Exil

Noch immer können Wirkung und Wirkungslosigkeit eines Schriftstellers vom puren Zufall abhängig sein, von der Gunst oder Ungunst einer politischen Konstellation, von seiner Nationalität, seiner Sprache, ja, von seinem bloßen Wohnsitz.

Gladiatoren in der Arena

Von den deutschen Italienurlaubern besuchen sehr viele die Opernaufführungen in der römischen Arena von Verona. Das ist längst mehr geworden als ein zirzensisches Vergnügen.

Kunstkalender

„One of 56 000 Mariners...“, ein Triptychon von monumentalem Zuschnitt, 3 1\2 Meter Breite, ein politisches Bild, das nicht noch einmal und zum hundertsten Mal die Frage aufwirft, ob Protest möglich ist, ob engagierte Malerei entweder keine politische Effektivität haben oder zu künstlerischer Rangminderung führen müsse.

Frauenkursbuch

Frauen haben’s schwerer: in der Fabrik, in der Ehe, an der Universität, im Lokal, im SDS, mit ihresgleichen. Am schwersten aber mit sich selber.

KRITIK IN KÜRZE

„Dschungelkantate“, Spiele und Happenings, herausgegeben von Wolfgang Fietkau. Diese Sammlung von kurzen Einaktern, Sketches, Monologen und längeren wie kürzeren Gedichten ist zum Gebrauch gedacht; sie will Theateramateuren Material liefern.

Kramer und der 17. Juni

Wer in Deutschland etwas anderes sagt oder tut als das, was offiziell als politisch richtig gilt, verschafft sich Ungelegenheiten; nonkonformistisches Verhalten wird als Delikt geahndet; die Methoden der Repression mögen in der DDR andere sein als in der Bundesrepublik, allemal aber läuft es auf dasselbe hinaus: Der Unbotmäßige hat letztlich nur die Wahl zwischen Resignation und Flucht.

Daß alles ein Dreck ist

Zur Bekanntgabe einer Lese-Tournee Oswald Wieners hatte man sich im Rowohlt Verlag eine Einladungskarte und dazu ein Plakat einfallen lassen, das den österreichischen Jazztrompeter, Linguisten, Kybernetiker und Dichter – von welchen Berufsbezeichnungen der derzeitige Berlin-Stipendiat wohl keine mehr in Anspruch nimmt – mit einem Hammer in der Hand auf den Trümmern eines Hauses zeigt.

Bericht einer Schuld

Dieser Tag gehört in Frankreichs Geschichtskalender, auch dieser dunkle, häßliche Tag: der 16. Juli 1942. „Frühlingswind“ lautete der Deckname der Operation, die von zwei SS-Offizieren geleitet, von französischen Polizisten ausgeführt, von einigen französischen Parteien und Zeitungen begrüßt, von der Regierung Pétains geduldet, später sogar unterstützt wurde – die Deportation der „staatenlosen Juden“, dann der einheimischen Juden in die Vernichtungslager.

Die Neuen scheiterten kläglich

Die Show begann schon zeitig. Auf der Autobahn rollte am Morgen, in zwei Konvois, Bereitschaftspolizei nach Bayreuth – die APO hatte sich angemeldet.

FILMTIPS

„Experimentell-“ oder „Avantgarde-Filme“, „Filme unabhängiger Filmmach er“, „Underground-Filme“ oder „Das Andere Kino“. Die Bezeichnungen schillern.

Sparen – lohnt das denn noch?

Es ist eigentlich paradox. Nie in den letzten Jahren haben sich die Deutschen so sehr vor „der Inflation“ gefürchtet wie in diesen Wochen.

Immer wieder Ärger mit Rio

Den Namen Oetker kennt jeder. Die Hausfrauen von den Backzutaten, die Männer vom Pudding her. Jeder nennt ihn Dr. Oetker, obwohl Rudolf August Oetker gar keinen Doktortitel hat.

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