3. In der Regel wird bei der Behandlung von "normalen" Kriegsverbrechen der Grundsatz "tu quoque" angewandt. Da die andere Seite Kriegsverbrechen begangen hat (Luftkrieg gegen offene Städte, Massenerschießungen von Geiseln), wird das bei der Verfolgung eigener "Kriegsverbrecher" als Strafausschließungsgrund angesehen.

Trotz des Genfer Abkommens von 1949, das nicht nur die Erschießung, sondern schon das "Festnehmen von Geiseln jederzeit und überall" verbietet, ist es in den modernen "Volkskriegen" nach Maos Muster, die eine Steigerung des Partisanenkampfes darstellen, üblich geworden, die Repressal- oder Sühnegefangenen zur Abschreckungoder zur Vergeltung kollektiv zu liquidieren.

Zum Mord in der äußersten Form des Genocid wurde die Partisanenbekämpfung im Rahmen der "Endlösung der Judenfrage" Hitlers. Diese Fälle werden, da sie Gewaltverbrechen waren, neuerdings auch von der Ludwigsburger Zentralstelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen verfolgt, die nicht in Kriegsverbrechen ermittelt. Zahlreiche Befehle Hitlers, des Oberkommandos der Wehrmacht und einzelner Generale, dazu eine Fülle von "Ereignismeldungen" der SS-Einsatzgruppen und der speziellen "Partisanen-Jagdkommandos" beweisen, daß die Partisanenbekämpfung auch der Völkervernichtung galt Dabei sind zwei Formen zu unterscheiden:

  • Der "einspurige" Partisanenkampf, der unter dieser Tarnung allein zur Judenvernichtung geführt wurde.
  • Der "zweispurige" Partisanenkampf, bei dem "nebenbei" auch Juden liquidiert wurden.

Zu Beginn des Rußlandfeldzuges hatte Hitler erklärt: "Der Partisanenkrieg gibt uns die Möglichkeit auszurotten, was sich gegen uns stellt." Dazu gehörten auch die Juden – und zwar nicht nur jene, die vor den SS-Vernichtungskommandos bei den Partisanen Schutz suchten und daher als "nach Kriegsbrauch zu behandelnde Freischärler" galten. Juden wurden damals generell als "Bandenmitglieder, Bandenverdächtige, Banditen, Banditenhelfer" eingestuft.

Worauf es den Einsatzgruppen wie den Jagdkommandos in erster Linie ankam – der Massenmord an Juden –, beweist die Meldung Nr. 51, die Himmler über die "Bandenbekämpfung" Hitler erstattete:

1. Banditen