In der "Welt" vom 6. 8. 1969 hieß es unter cer Überschrift "Lebenslänglich gegen früheren Gendarmerie-Leutnant beantragt": "Nach Ansicht des Anklagevertreters ist Pallmann überführt, im rückwärtigen Operationsgebiet cer Manstein-Armee für den Mord an 141 Menschen verantwortlich zu sein. Er habe sie entwecer selbst umgebracht oder er habe seinen Untergebenen den Mordbefehl erteilt. Außerdem hüten er und seine Gruppe als Helfer der SS bei Liquidierungen von Juden mitgewirkt."

Dies ist kein Urteil, nein, es ist "nur" der Antrag des Staatsanwaltes für eine ungeheuerliche Grausamkeit, begangen an wehrlosen Menschen. Der Staat aber, der hier "lebenslänglich" fordert, hat vor noch nicht einem Jahr Generalfeldmarschall von Manstein, der durch Armeebefehl vom 20. 11. 1941 von seinen Soldaten Verständnis für die "harte Sühne am Judentum" verlangte, durch die Bundeswehr mit einem Zapfenstreich ehren lassen.

Der Befehl ist im Institut für Zeitgeschichte in München aufbewahrt. In ihm heißt es:

"Das Judentum bildet den Mittelsmann zwischen dem Feind im Rücken und den noch kämpfenden Resten der Roten Wehrmacht und der Roten Führung. Es hält stärker als in Europa alle Schlüsselpunkte der politischen Führung und Verwaltung, des Handels und des Handwerkes besetzt und bildet weiter die Zelle für alle Unruhen und möglichen Erhebungen."

"Das jüdisch-bolschewistische System muß ein für allemal ausgerottet werden. Nie wieder darf es in unsern europäischen Lebensraum eingreifen."

"Der deutsche Soldat hat daher nicht allein die Aufgabe, die militärischen Machtmittel dieses Systems zu zerschlagen. Er tritt auch als Träger einer völkischen Idee und Rächer für alle Grausamkeiten, die ihm und dem deutschen Volk zugefügt wurden, auf."

"Für die Notwendigkeit der harten Sühne am Judentum, dem geistigen Träger des bolschewistischen Terrors, muß der Soldat Verständnis aufbringen. Sie ist auch notwendig, um alle Erhebungen, die meist von Juden angezettelt werden, im Keime zu ersticken."

Die Verbrechen des Gendarmerie-Leutnants Pallmann sollen nicht verniedlicht werden. Jeder Rechtsstaat muß einen solchen Mann bestrafen. Aber ist die Autorität eines Staates glaubwürdig, welcher einen kleinen Polizeileutnant, der die Worte von Ausrottung, Rache und Sühne ernst nahm, lebenslänglich hinter Mauern verbannen will, zugleich aber einen Feldmarschall, der die Tragweite solcher Worte in seinem Befehl erkennen mußte, mit militärischen Ehren überhäuft? B. K.