In den beiden vorausgegangenen Folgen schilderte der Autor die Einnahmen und Ausgaben der Kirchen. In der abschließenden Folge untersucht Klaus Martens die Fragen, ob sich die Kirche in ihrer Aufgabenstellung übernommen hat und ob die obligatorische Kirchensteuer durch freiwillige Beiträge ersetzt werden sollte. Sein Buch "Wie reich ist die Kirche? – Der Versuch einer Bestandsaufnahme in Deutschland" erscheint Mitte nächsten Monats in der mvg – moderne Verlags gmbh, München.

Wie reich sind nun die deutschen Kirchen? Ein Großteil des Vermögens besteht aus Baulichkeiten, die dem Kult dienen. Diese Baulichkeiten sind oft von künstlerischem, monumentalem oder historischem Wert. Wer aber wollte den Wert etwa des Xantener Domes schätzen?

Einen unermeßlichen Wert haben die in den Kirchen ruhenden Kunst- und Kulturschätze. Immer häufiger wenden sich Händler in Anzeigen oder durch persönlichen Besuch an die Kirchenvorstände, um von ihnen Gegenstände aus Kirchenbesitz zu erhalten. Daß veranlaßte das Generalvikariat des Münchner Erzbischöflichen Ordinariats im November 1966 zu der Feststellung, daß ohne schriftliche Erlaubnis des Ordinariats kein zu einer Kirche, Pfründe oder sonstigen kirchlichen Einrichtung des Bistum gehörendes Inventarstück veräußert werden darf.

Kirchen, Kapellen, Gemeinde- und Pfarrhäuser haben kaum einen Marktwert. Kein wirtschaftlicher Verkehrswert kommt auch kirchlichen Krankenhäusern, Kindergärten, Jugend- und Altersheimen zu.

Wer das Kapitalvermögen der deutschen Landeskirchen und Diözesen – realisierbarer Grund und Boden, Wertpapierbesitz und Beteiligungen – auf einen Wert von über sechs Milliarden Mark schätzt, dürfte bei allen Vorbehalten ungefähr richtig liegen. In dieser Angabe sind aber nicht die zahlreichen Kunstschätze enthalten, deren Wert sich auch nicht annähernd beziffern läßt. Ausgeklammert wurde ferner das Vermögen der Diakonie, der Mission und der Diaspora, das mit einem Betrag von noch einmal sechs Milliarden Mark angenommen werden kann.

Nur ein Teil dieses Kapitalvermögens wurde nach dem Kriege gebildet. Die Kirchen haben sich damit in gewisser Weise an den finanzwirtschaftlichen Grundsatz gehalten, nach dem aus Steuereinnahmen möglichst kein Vermögen gebildet werden soll.