Staatssekretär Wetzel am 8. August im WDR:

Ich bin zunächst einmal der Meinung, daß man auf keinen Fall aufgeben darf, von Ostberlin zu fordern, daß es zu Gesprächen über Fragen des Zusammenlebens der Menschen im geteilten Deutschland kommen muß. Die SED-Führung fürchtet, daß, wenn es zu, wie sie sagt, gesamtdeutschen Gemeinsamkeiten – und sie meint das negativ – kommt, daß das ihrer Isolierungspolitik gefährlich werden könnte ... Die Frage wird aber sein, wie lange es sich die SED-Führung erlauben kann, diese intransigente Haltung einzunehmen und auch gegenüber den anderen Ländern des Warschauer Paktes dazustehen als derjenige, der nicht bereit ist, mit der Bundesregierung überhaupt Gespräche aufzunehmen...

Neues Deutschland vom 9. August:

Die Beziehungen zwischen den beiden souveränen deutschen Staaten können ihrem Charakter nach nur völkerrechtliche Beziehungen sein. Alles andere ist ebenso illusorisch wie gefährlich für den Frieden in Europa. Frieden und Sicherheit in Europa erfordern die gegenseitige Anerkennung der beiden deutschen Staaten durch völkerrechtlich gültige Verträge ... Gegenwärtig von einer "Lösung" zu sprechen ist ohnehin zuviel gesagt, denn eine Lösung der deutschen Frage gibt es erst, wenn die Macht der Militaristen und Imperialisten in Westdeutschland endgültig gebrochen ist. Aber bis das Volk in Westdeutschland diese Aufgabe gelöst hat, müssen wir einen Weg finden, der die friedliche Koexistenz in den Beziehungen zwischen der westdeutschen Bundesrepublik und der Deutschen Demokratischen Republik, gewährleistet. Die Deutsche Demokratische Republik ist deshalb interessiert an Verträgen zwischen beiden deutschen Staaten, deren Garantie in ihrem völkerrechtlichen Charakter liegt...

Bundesminister Herbert Wehner am 10. August in Friedland beim Grenzlandtreffen der SPD:

Wir wollen im gespaltenen Deutschland sachlich und vernünftig über die Fragen sprechen und verhandeln, die geregelt werden können.

Ich sage das ausdrücklich auch im Hinblick auf diejenigen, die jenseits der Zonengrenze Verantwortung ausüben, das heißt auch ohne Diskriminierung, das heißt ohne Diskriminierung aller Verhandlungspartner, also auch des Verhandlungspartners auf der anderen Seite. Als Verhandlungspartner sollen und werden sie, wenn sie sich an den Verhandlungstisch begeben, alle gleichberechtigt sein ... Da muß man fragen – gerade heute –, warum sträubt sich der Ministerrat der DDR gegen Verhandlungen, die wir ihm als gleichberechtigten Verhandlungspartner anbieten? In diesem Punkt haben sich doch die Verhältnisse im gespaltenen Deutschland um 180 Grad gedreht. Es ist doch nicht mehr Bonn, das nein sagt, wenn über Verständigung geredet werden soll.