Sehr sehenswert:

"Jerry, der Herzpatient", von George Marshall, aber der eigentliche Autor, als Hauptdarsteller und Produzent, ist Jerry Lewis. In einem medizinischen Hörsaal berichtet er die seltsame Geschichte seines Lebens, die dazu geführt hat, daß er nun mit einem Schwertfisch in der Brust auf dem Operationstisch liegt. Das Auditorium wird zur Arena. Beifall, Protest und Kritik seiner (spanisch sprechenden) Zuhörer unterbrechen häufig Jerrys Bericht. Aber was da berichtet wird, spottet jeder Beschreibung und spricht jeder Erzählkunst Hohn. Es regiert darin dieselbe Logik, die es ermöglicht, daß Jerrys Kinder die Fontäne aus der Wasserleitung zum Versiegen bringen, indem sie an den Griffen des abmontierten Beckens drehen. Und dem Zuschauer geht es wie Jerry, der darauf in der leeren Luft die Verbindung zwischen den Griffen und der Leitung zu greifen sucht. Trotz Jerrys redlichem Chronisteneifer, der sich zuweilen zu großem erzählerischen Pathos aufschwingt, wird aus seiner Biographie keine Geschichte. Sie bleibt ein Schrotthaufen kaputter Episoden, die kein Sinn und Verstand verbindet.

"Geraubte Küsse", von François Truffaut. "Zwei Freundinnen", von Claude Chabrol. "Week-End", von Jean-Luc Godard. "Edipo Re – Bett der Gewalt", von Pier Paolo Pasolini. "Accident – Zwischenfall in Oxford", von Joseph Losey. "Circus" (1928), von Charles Chaplin.

Im Fernsehen:

"Walkover" (1965), von und mit Jerzy Skolimowski. Der zweite Film seines Regisseurs, nach "Besondere Kennzeichen: keine", den das ZDF am 28. Juli gezeigt, hat. Wir treffen Leszczyc-Skolimowski wieder nach Beendigung seines Militärdienstes. Der verkrachte Student begegnet seinem Boxmanager, der ihn verpflichtet. Andrzej will sich drücken, dann kneift der Gegner seinerseits, und Andrzej gewinnt kampflos durch "Walkover". Skolimowski filmt ohne Sicherheitsnetz; so sieht man, wie er ohne Trick und Schnitt vom fahrenden Zuge springt. Der Verzicht auf täuschende Einstellungswechsel bezeugt dieselbe Suche nach Identität mit der physischen Wirklichkeit, die auch seinen Helden treibt. Dessen Bestreben, durch Verbesserung physischer Fähigkeiten seinen Problemen beizukommen, hat als Kehrseite die Sensibilität gegenüber der Gegenwart des Todes, die alle Filme Skolimowskis auszeichnet. Nur bei Godard wird ähnlich oft auf den Tod angespielt, mit dem Unterschied, daß Godard sich Ideen vom Tode macht und diese in Bilder setzt, während Skolimowski eine vitale Furcht vor der physischen Auslöschung artikuliert und den Gesten des Todes im Leben nachspürt. Hier zieht sich das Bild einer Frau, die sich vor einen Zug wirft – man weiß nicht: als Erinnerung oder Wahnvorstellung – in Wiederholungen durch den ganzen Film. ZDF am 18. August.

"Der Würgeengel" (1962), von Luis Buñuel, WDR III am 15. August.

Sehenswert: