Düsseldorf

Als Adolf von Thadden am Samstag, dem 9. August, gegen 17 Uhr in der Düsseldorfer Kongreßhalle vor seine 1500 Zuhörer ans Rednerpult tritt, ist es vor der Halle aufregend interessant, drinnen ungeheuer langweilig für den, der nicht immer wieder die alten Tiraden hören will. Dem NPD-Redner fällt immer nur dasselbe ein: Die Bundeswehr ist in Ordnung – nur die politische Führung taugt nichts. Die Gewerkschaften verkaufen sich – mal an die Amerikaner, mal an die Sowjets, wie es sich gerade besser reimt. Presse und Fernsehen verbreiten nur Lügen über die NPD. Die Spießer an ihren Stammtischen sollen sich über Sittenskandale in Schullandheimen nicht nur verbal erregen, sondern NPD wählen, damit die Schweinereien aufhören.

Immerhin – einer wird gelobt: Weihbischof Defregger. Er habe im Fersehen endlich einmal gesagt und sagen dürfen, wie es damals wirklich war und worüber allein der deutsche Truppenführer, der damals dabei war, etwas sagen könne. Thadden weiter: Der Bischof konnte endlich sagen, was die NPD nie sagen darf, weil das Fernsehen zwar einen Bischof aber keinen NPD-Mann reden läßt.

Saalordner lassen ganz schnell von einer Gruppe Zwischenlager ab, als die Fernsehkamera auf sie schwenkt und auch auf ihnen bleibt. Frustriert sitzen sie bis zum Ende auf ihrem Stuhl. Ein Ordner zum Fernsehteam: "Den Gefallen tun wir Ihnen nicht. Damit Sie uns wieder madig machen können."

All dieses hätte die Reise nach Düsseldorf nicht gelohnt, doch vor der Halle war es interessant. Die Düsseldorfer Bürgeraktion "Stoppt den Neonazismus" hat zu einer friedlichen Demonstration aufgerufen. Mehrere tausend Menschen haben sich versammelt. Die ersten kommen bereits mittags, als NPD-Mitglieder bei Marschmusik schon in der Halle sitzen. Sechshundert Polizisten, verteilt über das Gelände, dösen derweil in der Hitze.

An der OD-Sammelstelle ist pünktlich um 14.30 Uhr die große Einsatzbesprechung der NPD-Ordner. Fünfhundert wollten kommen, hundertfünfzig hat die Polizei genehmigt und ziviles Aussehen verlangt. Brutale Rausschmeißer und Schlägertypen aus dem Bilderbuch werden vom Parteivorstand im Beisein eines Polizeibeamten über das Versammlungsgesetz belehrt.

Bis 17 Uhr haben sich vor dem großen Eisentor der Kongreßhalle Tausende von Demonstrant ten versammelt. Nur mühsam kann die Polizeikette für die letzten Zuhörer den Zugang durch die schmale Tür freihalten. Von der Straße bis zur Pforte führt ein Polizeispalier, das auf der anderen Seite der Barriere in ein Spalier von Ordnern übergeht. Immer wieder die Sprechchöre der Demonstranten: "Deutsche Polizisten schützen die Faschisten!"