Die Aussichten sind nicht ungünstig. Harold Wilson wird in den nächsten Wochen Anschauungsunterricht erhalten, wie man eine Paritätsänderung ausnutzt. Während die britische Regierung nach der Pfundabwertung vom November 1967 fünf Monate ungenutzt verstreichen und damit einen wesentlichen Teil der Wirkung verpuffen ließ, haben Pompidou und Giscard d’Estaing sofort einen Preisstopp verkündet, der erst fallen wird, wenn das Sanierungsprogramm im September das Parlament passiert hat. Auch bei seinen Partnern wird Frankreich Unterstützung für die Wiederherstellung des Wirtschaftlichen Gleichgewichts finden. Die zeitweise Spaltung des Agrarmarkts kein großes Opfer, weil das System, unter dem ständig wachsende Überschüsse produziert werden, sowieso reformbedürftig ist. Nun zeigt sich, daß gemeinsame Agrarpolitik ohne gemeinsame Wirtschaftspolitik kaum möglich ist.

Hilfe für Paris – das bedeutet freilich auch, nun nicht mutwillig neue Währungsunruhe zu provozieren. Es war mitten im Wahlkampf wohl unvermeidlich, daß der leidige Aufwertungsstreit bei uns von neuem entbrannt ist. Für das Argument, nun sei auch noch eine Heraufsetzung des Wechselkurses der Mark geboten, kann man allerdings kaum Verständnis aufbringen. Immerhin ist nach Sondersteuern und Franc-Abwertung die Ausfuhr in unser wichtigstes Partnerland innerhalb Jahresfrist um rund ein Sechstel teurer geworden, während die Importe etwa in gleichem Ausmaß billiger werden – das ist doch eine recht respektable Dämpfung unserer Exportkonjunktur. Neue Aufwertungsdebatten könnten jetzt nur eine neue "Flucht in die Mark" auslösen und damit Frankreich den Abbau der Devisenzwangswirtschaft erschweren. Über Währungsprobleme darf man eben nicht ständig auf dem Marktplatz palavern – das wenigstens sollten wir von Georges Pompidou lernen.