Unser Kritiker sah:

KÖNIG NICOLO

Schauspiel von Frank Wedekind

Dinkelsbühl: Gartenbühne am Wehrgang

In Dinkelsbühl, einem Unikum des deutschen Theatersommers, ist in diesem Sommer Frank Wedekind in dem Garten am Wehrgang der Stadtmauer aufgeführt worden. Soviel Ehrgeiz im Spielplan bringt ein Ensemble auf, das mit seinen 250 Zuschauerplätzen als Kammerspiel des Sommertheaters zu bezeichnen wäre, wenn es nicht das Gegenteil täte, nämlich kräftig auf die Pauke zu hauen.

Während der zwei Sommerwochen allerdings, wenn in Dinkelsbühl "Volksfest" ist, wenn Erinnerungen aus der Stadtgeschichte mit Folklore und Bier gefeiert werden, weichen die Schauspieler des "Fränkisch-Schwäbischen Städtetheaters Dinkelsbühl" nach München aus. Sie finden dort bei ihren Gastspielen eine starke Resonanz. In Dinkelsbühl gilt für "König Nicolo" weniger der vom Autor mit erhobenem Zeigefinger gesetzte Untertitel "So ist das Leben". Die Wedekind-Inszenierung des Intendanten Klaus Schiene läßt sich treffender zusammenfassen als "Der Jahrmarkt von Wedekindsweiler".

Aufgebaut ist eine Schaubude: "Ben Frank Wedds Boutique". Lange, bevor Wedekinds Spiel vom abgesetzten König Nicolo und seiner Tochter Alma beginnt, kündigt ein Ausrufer Probenummern des Jahrmarktsspiels an. Man sieht die Dame ohne Unterleib und den kleinsten Mann der Welt, Akrobaten heben unglaublich schwere Gewichte, andere jonglieren mit Tellern. Aus einem Chapeau claque fliegen weiße Tauben leibhaftig ihrem Käfig zu.