Köln Bis zum 10. September, Galerie Der Spiegel: "Arman"

Arman, ein Freund von Yves Klein (beide sind 1928 in Nizza geboren), Arman, ein Veteran des "Nouveau Réalisme", der um 1960 neu war, ein Künstler, der damals mit "colères" auf sich aufmerksam machte, mit Zornausbrüchen, mit zornigen Aktionen, im Zorn entstandenen Objekten, und der nun die Früchte seines Zornes erntet. Er wird häufig als Kandidat für Kunstpreise genannt, die er dann doch nicht bekommt, zuletzt auf der Biennale 1968. Der professionelle Destrukteur ist längst zu musealen Ehren gekommen, und seine Präsenz gilt in öffentlichen und privaten Sammlungen als Nachweis der Progressivität. Sein Zorn richtete sich gegen Musikinstrumente, Geigen wurden zertrümmert und die Trümmer auf der Bildfläche festgeleimt. In Köln sieht man wieder einmal seine berühmten und beliebten "poubelles", die Müllkästen, Behälter aus Plexiglas, die mit dem Inhalt des Papierkorbs gefüllt werden. Die erste "poubelle" war die zornige oder ironische Geste eines Antikünstlers, der seinen Papierkorb als Kunst deklarierte, eine zynische Anweisung für jedermann: Arrangiert den Inhalt eures Papierkorbs, hängt ihn euch an die Wand, und ihr habt ein "Bild", jedenfalls ein ästhetisches Objekt. Es ist schon ein immer wieder erstaunliches Symptom für den Kunstbetrieb der 60er Jahre, daß Armans Einfall, daß sein Papierkorb nicht nur als seriös gemeintes Kunstobjekt aufgenommen, daß er Jahre danach in Serie aufgelegt, als multiples Objekt auf den Markt gebracht wurde und auch heute noch immer verkauft wird. In den Farbtuben-Objekten vollends verflüchtigt sich die Brutalität der frühen "coleres", die Akkumulation der ausgequetschten Tuben erweckt nur noch von fern den Anschein einer wild temperamentvollen Aktion, das Spiel der Farben ist genau kalkuliert. – Außerdem im ersten Stock der Galerie eine großartige Sonderschau: die 1948 entstandenen "Reliefs aus Sedona" von Max Ernst.

Gottfried Sello

München Bis zum 28. September, Die Neue Sammlung: "Um 1930"

Mies van der Rohes Deutscher Pavillon auf der Weltausstellung in Barcelona (1929), Keimzelle eines in kristallinen Proportionen sich ausprägenden, material-, nicht funktionsbezogenen Klassizismus, bei dem die Gehäuseform durch gleitende Raumzusammenhänge ersetzt ist, und Le Corbusiers Villa Savoye (1929), deren auf Stelzen "schwebenden" Raumkurvaturen der architektonischen Struktur das Aussehen eines klar überschaubaren technischen Gebildes geben, das in seiner formalen Eleganz an die Aufbauten eines Ozeandampfers erinnert, sie sind die beiden Pole, um die die Ausstellung gruppiert ist: Beispiele einer kurzen Zeit der Reife, in der sich die während des Gärungsprozesses der 20er Jahre gestellten Probleme deutlicher formulieren lassen. "Um 1930" – das meint nicht Fazit der vorhergehenden Jahre, sondern Phase der Abklärung, die durch den Einbruch der Barbarei zum Zwischenspiel degradiert wurde. Bewundertes Vorbild ist von allem die Technik, was in Cassandres Plakaten für Schiffahrts- und Eisenbahngesellschaften ebenso zum Ausdruck kommt wie in Scharouns stromlinienförmigem Haus Schminke (1932). Die kleine, aber pointiert arrangierte Schau vermittelt den Eindruck, daß diese Zeit, durch die Betonung des Sportiven, Modischen und unauffällig Kostbaren, ein ausgeprägtes Faible für Snobismus besessen hat.

Helmut Schneider

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