Der slowakische Altkommunist Gustav Husák, der im April die Nachfolge des Prager Parteichefs Alexander Dubcek antrat und den die meisten für den Totengräber des tschechoslowakischenReformkommunismus halten, war zehn Jahre lang Opfer stalinistischer Terror-Herrschaft. Die Geschichte seiner unvorstellbaren Leidenszeit geht aus einer Petition hervor, mit der er vor sieben Jahren KP-Chef Novotny um Rehabilitierung ersuchte–sie enthüllt zugleich die Charakterstärke dieses Mannes. Die ZEIT veröffentlicht als einzige deutsche Zeitung die wichtigsten Passagen dieses Dokuments.

Preßburg, 20. 12. 1962

Petition zwecks Wiederaufnahmeverfahren und Rehabilitierung

An das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei, zu Händen des Ersten Sekretärs des Zentralkomitees der KPČ, Genossen Antonin Novotny, in Prag.

Werte Genossen,

der Unterzeichnete, Gustav Husák, geboren am 10. Januar 1913 in Preßburg, zur Zeit wohnhaft in Preßburg, Obráncov mieru Straße 10a, ist am 6. Februar 1951 unrechtmäßig verhaftet worden. Obgleich unschuldig, wurde ich auf illegale Weise zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Nach fast zehnjähriger Haft bin ich am 10. Mai 1960 auf Grund einer Amnestie freigelassen worden.

Als Ergebnis des XX. und des XXII. Parteitages der Kommunistischen Partei der Sowjetunion wurde in der gesamten kommunistischen Weltbewegung der Persönlichkeitskult beseitigt. Ich bin eines von den Opfern der Unterdrückungsmaßnahmen und der gesetzlosen Verurteilungen jener Tage.