Von Heinz-Günter Kemmer

Toni Schmücker, seit ziemlich genau einem Jahr Vorstandsvorsitzender, der Rheinischen Stahlwerke in Essen, fühlt sich nach eigenem Eingeständnis "unkomfortabel". Und er erläutert, was er damit meint: Nachdem die Rheinstahl-Aktionäre in der Mammuthauptversammlung des vergangenen Jahres den ihnen bis dahin unbekannten Unternehmenschef wie einen Heiden gefeiert hatten, trägt er die Vorschußlorbeeren wie eine schwere Last mit sich.

Dabei hatten die Aktionäre durchaus recht, als sie sich von Schmücker einen neuen Aufstieg versprachen – ob sie aus Instinkt handelten oder sich an den berühmten Strohhalm klammerten, das spielt dabei keine Rolle. Immerhin kann Rheinstahl für 1968 eine Halbierung des Verlustes vorzeigen und schon 1969 mit schwarzen Zahlen aufwarten. Und für die Beurteilung des Jahres 1968 muß man wissen, daß der Verlust von 50 Millionen Mark schon bis zur Hauptversammlung am 23. August 1968 aufgelaufen war – der Rest des Jahres schloß also schon ausgeglichen ab.

Es scheint, als sei das ganze Geschrei um Rheinstahl unnötig gewesen. Wenn ein Konzern nach zwei Jahren Flaute und insgesamt 150 Millionen Mark Verlust wieder auf die Beine kommt, dann kann es doch wohl nicht so schlimm gewesen sein.

Das Ergebnis der Sonderprüfung, die von den Aktionären in der letzten Hauptversammlung beschlossen wurde, wirkt wie ein zusätzlicher Persilschein für den alten Vorstand, an dessen Spitze bis zum 8. April vergangenen Jahres Werner Söhngen stand: Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen, die mit der Sonderprüfung beauftragt war, hält sowohl den Kaufpreis für Henschel als auch die Erlöse bei der Veräußerung von Beteiligungen für angemessen.

Einziges Monitum der Sonderprüfer: Bei Mieten und Pachten hat Rheinstahl 279 000 Mark zu wenig kassiert. Und auch das ist nicht in voller Höhe eine echte Erlöseinbuße gewesen, denn zum Teil sind Konzerngesellschaften Mieter und Pächter gewesen – das Geld blieb im eigenen Hause.

Der alte Rheinstahl-Vorstand war gar nicht so schlecht, dem neuen hat nur die gute Konjunktur geholfen – dieser Gedanke könnte sich aufdrängen. Aber er ist falsch.