Mit einem persönlichen Triumph für Nicolae Ceausescu und mit einer reformerischen Perspektive für das Land ist am Dienstag der X. Parteitag der rumänischen KP zu Ende gegangen. Das Parteiparlament bestätigte den Staatschef einstimmig in seinem Amt als Generalsekretär. Ceausescu kündigte eine Demokratisierung des Parteiapparates an.

Die sechzehn Regionen Rumäniens wurden aufgelöst und durch 39 Kreisparteikonferenzen (gleich 39 Volksräte) ersetzt. Sie haben direkten Zutritt zur Parteipsitze und müssen ihre Führung alle vier Jahre neu wählen. Auf diese Weise ist einerseits Ceausescu gegen Überraschungsmanöver etwaiger Rivalen aus den bisherigen Regionen abgesichert. Andererseits hat das rumänische Modell Ähnlichkeiten mit dem jugoslawischen "Rotationsprozeß", was gewisse demokratisierende Effekte verspricht.

Wegen des vorangegangenen Besuchs von US-Präsident Nixon hatten die Warschauer-Pakt-Staaten nur Parteifunktionäre der zweiten Garnitur nach Bukarest entsandt. Zum Eklat kam es, als vor dem Plenum eine Grußadresse der chinesischen KP verlesen wurde und der sowjetische Vertreter Katuschew daraufhin für kurze Zeit den Saal verließ. In einer Unterredung mit dem Russen versuchte Ceausescu später, die aufgetretene Verstimmung wieder zu dämpfen,

Das konnte schon deshalb nicht ganz gelingen, weil der rumänische Parteichef in seiner sechsstündigen Eröffnungsrede abermals die Prinzipien einer unabhängigen Außenpolitik innerhalb des kommunistischen Lagers vertreten hatte, während Katuschew In seiner Entgegnung die Breschnjew-Doktrin bekräftigte und die Rumänen vor nationalen Alleingängen und einer Annäherung an den Westen warnte.