Denken erschöpft sich so wenig im psychologischen Vorgang wie in der zeitlos reinen, formalen Logik. Es ist eine Verhaltensweise, und ihr ist unabdingbar die Beziehung zu dem, wozu es sich verhält.

Theodor W. Adorno

Jolly darf gekauft werden

Jolly Boom darf, so entschied das Stuttgarter Landgericht (aber es werden sich weitere Instanzen mit ihr zu beschäftigen haben). Sie darf verkaufspsychologische Banalitäten wie "Sie haben wundervoll gekauft" aussprechen, auch wenn diese schon einmal in einem anderen Buch gestanden haben. Der Econ-Verlag wollte es anders: Namens seines Autors Heinz Kirchhoff strengte er ein Verfahren gegen den Heine-Verlag an, der einen sozialkritischen Comicstrip von Meysenbug veröffentlicht hatte, in dem in Bild und Wort geschildert wurde, wie ein Mädchen derart zum enthusiastischen Verkaufen angehalten wird, daß sie am Ende den Weg geht, der ihr selber den unmittelbaren Profit davon einbringt, und sich gleich selber verkauft. Einundzwanzig Textstellen (wie "Auf jedes Wort kommt es jetzt an" oder "Loben kostet nicht viel") kamen Econs Sachbuchautor Kirchhoff bekannt vor: Sie standen so ungefähr auch in seinem Leitfaden "Leichter, schneller, mehr verkaufen", und da ihm offenbar nicht entging, daß Meysenbug es mit dieser Zitierung gerade auf seine verklärende Verkaufsideologie abgesehen hatte, fühlte er sich "schwer geschädigt". Das Gericht, vernünftigerweise, billigte seinen "bekannten Trivialitäten der Verkaufstechnik" keinen besonderen Schutz zu. Offen ließ es die Frage, die sich im Hinblick auf alle Spielarten besonders der Pop-Kunst immer wieder stellen wird: Wie weit darf ein Autor in kritischer, parodistischer, polemischer Absicht überhaupt Zitate einmontieren, auch wenn es sich einmal nicht um Platitüden à la Kirchhoff handeln sollte? Käme eine höhere Instanz dabei zu einer restriktiveren Entscheidung, so wäre ein ganzer und nicht der schlechteste Zweig heutiger Kunstübung lahmgelegt.

Kinder-Abend-Programm

Mütter wissen ein Lied davon zu singen. Ob es das "Sandmännchen" oder die "Mainzelmännchen" sind: Immer wieder versuchen Kinder, sich am Abend noch ein paar Minuten vor dem Fernsehschirm zu erkämpfen. In Frankfurt will man sich in der kommenden Saison kinderfreundlich zeigen: Von Mitte September an bringt der Hessische Rundfunk regelmäßig von Montag bis Donnerstag um 19.00 Uhr im Dritten Programm eine Kinder-Abendsendung. Ausgestrahlt werden sollen vor allem Serien – "James’ Tierleben", "Der kleine dicke Ritter", "Die Mumin-Familie" – die zum Teil bereits im 1. Programm liefen, dort aber nur einmal pro Woche erschienen, jetzt aber jeweils am folgenden Tage fortgesetzt werden sollen. Den Kindern wird ihr neues Abendprogramm nur zu gelegen kommen. Was die übrigen Familienmitglieder davon halten, was vor allem die zu dieser Zeit in den Werbeblöcken viel Geld investierenden Firmen dazu sagen werden, steht auf einem anderen Blatt: Zweitapparate sind halt noch selten in der Bundesrepublik.

Filme für Venedig