„Das Buch der neuen Pop-Musik“, von Rolf-Ulrich Kaiser. Wenn einmal etwas Interessantes in diesem Buch steht, dann sind es Zitate von Adorno, McLuhan oder Frank Zappa, aber nicht Erkenntnisse von Rolf-Ulrich Kaiser, der furchtlos vor sich hinplaudert und über Pop-Musik abgesehen von Band-Geschichten und Gerüchten letzten Endes nur soviel zu berichten weiß, daß er sie als „neues soziales und politisches Phänomen“ versteht. Sein Versuch, „so exakt wie möglich zu informieren“, betrifft vor allem Namen, Alter, Lebenslauf und Platten der Bands und ihrer Mitglieder, ist aber, was die von Kaiser so genannte „neue Pop-Musik“ anbelangt, gescheitert. Verzeihen sollte man bei der heutigen Schwemme unsachlicher Sachbücher, die nur von der Aktualität leben, schon gar nichts mehr, auch nicht die Druck- und Setzfehler, die der Verlag sinnigerweise dem Text beigesteuert hat. Natürlich freut man sich über ein längeres Interview Kaisers mit Zappa und über die Nachricht, daß die Plattenfirma MGM den „Mothers of Invention“ wohl mit Rücksicht auf amerikanische Mütter- und Frauenorganisationen folgenden Text herausgeschnitten hat: „Ich erinnere mich immer noch an Mama mit ihrer Schürze, wie sie alle Jungen und Mädchen in Eds Café fütterte.“ Doch diese kleinen Freuden entschädigen wohl kaum für die über 150 Seiten Getratsch, die als roten Faden lediglich erkennen lassen: nach dem Schlager nun der Pop, und der ist ziemlich populär. Das bemerkenswerte Literaturverzeichnis am Ende, das zu einem Drittel Bücher Kaisers enthält, erregt im Anschluß an die Lektüre dieses ungeschickterweise noch so anmaßend titulierten Werkes eher Mitleid als Wut, geschweige denn Interesse. (Econ Verlag, Düsseldorf/Wien; 203 S., 10,– DM) Christel Buschmann

„Himmel, der nirgendwo endet“, Roman von Marlen Haushofer. „Wenn Meta groß ist, wird sie auch rauchen und so interessante gelbe Finger bekommen.“ Marlen Haushofer bemüht sich, nicht nur Metas Kinderjahre abzuschildern, sondern auch die Vorstellungen, die Gesetze der Erwachsenen aus dem Blickwinkel des Kindes anzugreifen. Das glückt, in Grenzen, wenn die große Einfachheit und Einfalt auch manchmal etwas gezwungen wirken. Metas Vater ist Förster, was für Naturnähe bürgt. Die Mutter steht viele Stunden täglich am Kohlenherd, der guten Tante fällt einmal der Zwicker ins Klosett, die Großeltern haben noch nicht einmal elektrisches Licht. Metas Kindheit scheint zurückzuliegen, vielleicht um mehrere Jahrzehnte – wie die Kindheit der in Österreich ansässigen Verfasserin. (Claassen Verlag, Hamburg/Düsseldorf; 222 S., 16,– DM)

Christa Rotzoll

„1. Scientific Biographia Romancee – Leben + letzte Erkenntnis“ von Jean-Pierre Arend und Manfred Esser. Selten war ein so albernes literarisches Unternehmen anzuzeigen wie diese neue Reihe des Melzer Verlages, die literarische Merkwürdigkeiten im Gewand der bunten Groschenhefte darbietet. Die Ähnlichkeit ist täuschend, bis auf den Preis allerdings, der selbst den eines Taschenbuches beträchtlich übersteigt. Die beiden Autoren dieses Bändchens kokettieren mit allem, was heute irgendwie modern ist, von der Science Fiction bis zu Marshall McLuhan. Nach dem Prinzip der Montage werden alle möglichen Zitate um irgendwelche mehr oder weniger diskursiven Auslassungen drapiert, wobei Banales und abstrakteste Theorie zum Zwecke der Leserverwirrung eine seltsame Ehe eingehen. Ich kann das nicht einmal komisch finden. (Melzer Verlag, Darmstadt; 90 S., 5,– DM)

Helmut Salzinger

„Lehrprobe“ – Report aus dem Klassenzimmer, von Fritz Weigle. Der Autor war von 1966 bis 1968 Studienreferendar in Hessen, und wie vielen gymnasialen Jungpädagogen war ihm nicht wohl in seiner Staatsdienerhaut. Was er an Schulerlebnissen in seinem Tagebuch aufzeichnete, kann man kopfschüttelnd oder (wenn man selber einmal Referendar war) kopfnickend zur Kenntnis nehmen: Ja, so ist’s. „Indem Weigle aber lauter kleine Episödchen, hier und da mit höchsteigenen weisen Kommentaren versehen, überliefert, zimmert er lediglich ein buntes Kaleidoskop von mehr oder minder unmöglichen Verhaltensweisen zusammen, die zwar durchaus symptomatisch für unsere Schulwirklichkeit sein mögen, jedoch durch ihre positivistische Vermittlung einen entpolitisierenden Charakter haben ... Wenn man bedenkt, daß die zwei Jahre, welche in dem Buch skizziert werden, gekennzeichnet sind durch einen Prozeß der beginnenden Politisierung von Gesellschaft und Schulen, dann bleibt diese vornehme Zurückhaltung des Herrn Weigle unbegreiflich.“ Das schrieb der Schüler Peter Nickel im Nachwort zu Weigles Tagebuch eines undurchschauten Umbehagens, und diesen Sätzen ist kein Wort hinzuzufügen. (Bärmeier & Nikel Verlag, Frankfurt; 166 S., 10,–DM) Jörg Drews