Von Hannelore Asmus

Kiel

Sicher, nach Peter Merseburgers „Panorama“-Sendung schwören die Politiker der CDU ein Zusammengehen mit der NPD ab. Aber in Schleswig-Holstein praktizieren sie die Koalition mit den Leuten von rechtsaußen schon seit Monaten in einer für das nördliche Bundesland lebenswichtigen Verwaltungsfrage. Im Sonderausschuß für die Gebietsreform des schleswigholsteinischen Landtags wird der Modellfall einer CDU/NPD-Koalition durchexerziert.

Das Ganze ist kompliziert und spielt sich auch nicht auf dem Markt großer politischer Proklamationen, sondern hinter den verschlossenen Türen eines Beratungszimmers im Kieler Landtag ab. Das kleine Bundesland im Norden, mit dem Kuriosum des Landkreises Eiderstedt mit rund 21 000 Einwohnern behaftet, braucht die große Gebietsreform. Die Bürger des konservativen Landes zwischen den Deichen benötigen eine effektive Verwaltung. Die vernünftige Marschrichtung läßt sich nach dem Motto zusammenfassen: Je weniger Landkreise, um so besser, um so besser auch für die Demokratisierung in Landratsämtern und Rathäusern.

Siebzehn Landkreise und vier kreisfreie große Städte gibt es noch immer im kleinen Schleswig-Holstein. Das Konzept von Innenminister Schlegelberger (CDU) steuert zwölf Kreise an. Ministerpräsident Helmut Lemke (CDU) versicherte entgegen dem Konzept des Innenministers nach einem Gottesdienst zum Erntedankfest im letzten Herbst in Oldenburg, dieser Landkreis Oldenburg werde bestehenbleiben. So kam man denn an der Regierungsspitze auf dreizehn Landkreise.

Die NPD (vier Sitze im Landtag) unter ihrem Chefideologen Uwe Rheingans, einem Studienrat, sicherte den Christlichen Demokraten volle Unterstützung zu.

Die Sozialdemokraten unter dem kampfentschlossenen Oppositionsführer Joachim Steffen möchten am liebsten nur fünf Wirtschaftsregionen für das ganze Land mit seinen 2,5 Millionen Einwohnern. Als äußerste Kompromißschwelle boten sie schließlich acht Landkreise an. Die Freien Demokraten peilen zehn Kreise an.