Kunststoffpisten in den deutschen Arenen

Von Josef Kluckert

Schon immer hing die Laufleistung des Athleten auch von der Qualität der Laufbahnen ab. Immer schon wurde von schnellen, langsamen, weichen, harten, ja von „toten“, das heißt unelastischen Laufbahnen gesprochen. Oft wurde die Mischung des Deckenmaterials „schneller“ Laufbahnen mit Geheimnistuerei umwoben. Im wesentlichen ging es darum, eine gewisse „Grundelastizität“ sicherzustellen. Dabei wurden alle möglichen Kunstgriffe bei den früheren wassergebundenen Decken angewendet.

Man baute zum Beispiel Torf in die Oberflächen ein, der dann aber mit der Zeit verwitterte – so kam es zu Verwerfungen, zu „Berg-und-Tal-Bahnen“. Die Finnen hatten schon 1935 ein Bitumengranulat ihrer Speerwurfanlaufbahn im alten Tiergarten-Stadion in Helsinki beigemischt, dort warf auch der deutsche Olympiasieger Gerhard Stock seinen Rekord von 73,94 Metern, der 19 Jahre lang bestand. Und dort erreichten auch die finnischen Werfer ihre damals „phantastischen“ 78-Meter-Würfe.

Kurz vor den Spielen von 1936 in Berlin zeigte es sich, daß die Olympia-Bahn „tot“ war und keine Glanzleistungen ermöglichen würde. Da ließ Olympiainspekteur Christian Busch, der vorher in Köln als Stadionsdirektor sich mit „schnellen Mischungen“ beschäftigt hatte, wenige Tage vor der Eröffnung der Spiele die Laufbahn aufreißen und baute seine Geheimmischung als Deckenbelag ein. Ergebnis unter anderen: Jesse Owens 10,2 sec im Zwischenlauf über 100 Meter.

Ein besonderes Problem stellt die sogenannte „Rückprall-Elastizität“ dar, die besonders für schnelle Zeiten der Sprintstrecken von 100 bis 400 Meter entscheidend ist. Aber außer den Kurzstrecklern wünschten sich besonders auch die Springer wegen der kräftigen „Abdrücke“ eine spürbare Rückprall-Elastizität. Mit dem herkömmlichen Laufbahnmaterial gemahlener Schlacke, Naturstein, Lehm und Sand konnte trotz aller Mischungsversuche und des Einziehens von Faschinen in den Schotterunterbau diese Forderung aber nur bis zu einem bestimmten Grad erfüllt werden. Hinzu kam die Anfälligkeit der wassergebundenen Decke bei stärkeren Regenfällen oder gar Gewittergüssen.

Zwar gelang es durch alle möglichen Unterbauten und Drainagen, ebenso durch hygroskopisch wirkende Mischungen, das Regenwasser mehr oder weniger schnell auf den Laufbahndecken loszuwerden, dennoch haben große Regenmengen und Gewittergüsse zuweilen minuziös vorbedachte Zeitfolgen und Wettkampfprogramme völlig über den Haufen geworfen, und natürlich wurden bei einer aufgeweichten Bahn alle Erwartungen auf große. Leistungen zunichte gemacht, denn ihre Punkt- und Rückprall-Elastizität, also ihre Federwirkung, war verlorengegangen.