DIE ZEIT

Frieden in Vietnam?

Vietnam ohne Ho Tschi Minh – das wird nicht länger jenes Vietnam sein, das in den letzten zwei Jahrzehnten die Welt beschäftigte.

Wilde Streiks und grober Wahlkampf

Nichts geschieht mehr in diesen Wochen in der Bundesrepublik, was nicht im Handumdrehen in Wahlkampfmünze umgeprägt würde. Auch die wilden Streiks, die erst in der Stahlindustrie aufflammten und dann auf den Bergbau übergriffen, wurden von den Wahlstrategen sogleich in ihre Konzeption eingearbeitet.

Plus minus Null

Das "nachgaullistische" Zeitalter ist bei weitem noch nicht genug vorangeschritten, als daß demnächst in Europa ein Rudi nach vorn zu erwarten wäre.

Fataler Sieg

Das war mehr als ein Warnschuß, mehr als bloße Vergeltung: Der Ein-Tage-Feldzug der Israelis gegen die Ägypter am Golf von Suez überstieg jedes Maß.

ZEITSPIEGEL

Was Bernadette Devlin recht ist, ist Ian Paisley billig. Nachdem die nordirische Bürgerrechtskämpferin Bernadette Devlin auf der Amerika-Tournee vom New Yorker Bürgermeister Lindsay empfangen wurde, verlangt ihr protestantischer Gegenspieler, der Extremistenführer Ian Paisley, jetzt ebenfalls eine Einladung von Lindsay.

Lohnkampf auf eigene Faust

Friedrich Harders, der Vorstandsvorsitzende der Dortmunder Hoesch AG, hing nur symbolisch am Galgen. Streikende Stahlarbeiter hatten einer aufgehängten Strohpuppe ein Schild mit seinem Namen umgehängt.

Lieber Streik als Kolle

"Oswald Kolle wird dem Arbeitnehmer auf die Dauer nicht zu größerer Daseinsfreude verhelfen", prophezeite der neue Vorsitzende der IG Chemie-Papier-Keramik, Karl Hauenschild, auf dem Gewerkschaftstag in Wiesbaden.

Machtkampf in Hanoi

Es gibt keine Frage, in der die neue Parteiführung von Hanoi nicht völlig gespalten wäre, nicht einmal die Frage von Krieg und Frieden.

Moskau sorgt sich

Ob es dreist war, zum Kondolenzbesuch nach Hanoi zu fliegen und den Trauerfall zu einem Akt der Politik zu machen – diese Überlegung wird nicht in Moskau, sondern in Asien angestellt.

Nach dem Tode Ho Tschi Minhs:: Amerika wartet

Der Werdegang Ho Tschi Minhs hat sich schon lange vor dem Krieg in Vietnam wiederholt mit dem Kurs Amerikas gekreuzt, doch ergab sich daraus niemals eine Berührung oder gar eine politische Symbiose.

Kein Alarmzeichen

Eine unscheinbare Broschüre aus der DDR machte dieser Tage in Berlin einigen Wirbel. Ihr Titel "DDR gewährleistet friedlichen Westberlin-Transit" klang zwar vielversprechend, ihr Inhalt ist es weniger.

Staatsmann vor dem Volk

Der Anfang war trist. Regenschauer prasselten auf die vielleicht dreihundert, vierhundert Bürger und Bürgerinnen auf dem Marktplatz zu Biedenkopf im Nordhessischen nieder, als Willy Brandt sein Marathon der Wahlkundgebungen begann – in Biedenkopf, das zu jenem Wahlkreis Marburg gehört, in dem der Sozialdemokrat Gerhard Jahn 1965 seinem christdemokratischen Konkurrenten Ludwig Preiss beim Wettlauf um das Direktmandat um eine Nasenlänge unterlegen war (44,5 zu 44,9 Prozent der Erststimmen; bei den Zweitstimmen hingegen 42,7 zu 40,3 Prozent).

Begegnung mit Polen

Polen im September 1969, vier Tage nur, mein erstes Mal. Ein Wirbel von Eindrücken. Gelbe Stoppelfelder unter der Septembersonne.

Mit Fahnen und Pfiffen

Es begann mit viel malerischer Folklore am "Tag der Heimat" in Berlin, der von den Vertriebenen unter das Motto "Unbeirrt für gerechten Frieden" gestellt worden war.

Der Coup von Rio

Die Story ist zu gut, um nicht verfilmt zu werden: Mittags um zwei Uhr wird Charles Burke Elbrick, Botschafter der Vereinigten Staaten, auf einer der belebtesten Straßen von Rio de Janeiro in seinem Wagen entführt.

Wider die Ochsentour

Bundesinnenminister Benda will die starren Formen des Beamtenrechtes auflockern: Der öffentliche Dienst soll allen Berufsgruppen offenstehen, das Leistungsprinzip soll durch Verzicht auf Lebensalter und Dienstzeiterfordernisse stärker zur Geltung gebracht werden.

CD mit Colt

Gegen die Botschaftsgebäude von Israel in Bonn und, fehlgezielt aufs Nachbarhaus, in Den Haag wurden Bomben geschleudert. In Rio de Janeiro kehrte Charles Burke Elbrick, Botschafter der Vereinigten Staaten, mit einem Pflaster auf der Stirn in seine Residenz zurück.

Wolfgang Ebert:: Bonner Ehe

"Sabine war das, was man ein spätes Mädchen nennt. Sie hätte buchstäblich jeden genommen. Alleinstehende Frauen haben es ja noch immer sehr schwer in der Öffentlichkeit.

Bonn:: Impuls für die EWG

Beide Staatsmanns wollen dem Ministerrat der EWG für November die Einberufung einer Gipfelkonferenz der Gemeinschaftsstaaten vorschlagen, Frankreich will in Zukunft wieder an den Ratstagungen der Westeuropäischen Union teilnehmen, die es seit Februar dieses Jahres boykottiert hatte.

Auf Ho Tschi Minh folgt ein Kollektiv

Mit der größten internationalen Trauerfeier seit dem Begräbnis John F. Kennedys wurde am Dienstag in Hanoi der am Mittwoch voriger Woche gestorbene nordvietnamesische Staats- und Parteichef Ho Tschi Minh geehrt.

Dokumente der ZEIT

Daß neun Millionen Ostdeutsche ihre Heimat verließen oder verlassen mußten, ist eine Folge des Nationalsozialismus. Von ihm sind sie verraten worden.

Norwegen :: Kopf an Kopf

Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Bürgerlichen und Sozialisten endete am Wochenbeginn die Parlamentswahl in Norwegen. Der bürgerlich-bäuerliche Vier-Parteien-Block unter Ministerpräsident Per Borten, der 1965 die Sozialdemokraten nach 30jähriger Regierungszeit abgelöst hatte, gewann diesmal nur einen hauchdünnen Vorsprung.

Wilder Streik

Wider Erwarten hat der Bundestagswahlkampf einen dramatischen Akzent erhalten. Ausgehend von einem Arbeitskonflikt im Hoesch-Konzern breiteten sich in der Eisen- und Stahlindustrie und im Bergbau wilde Streiks aus, wie sie die Bundesrepublik in solchem Umfang noch nicht erlebt hatte.

Blamage in Rio

Eine Woche nach dem Staatsstreich der brasilianischen Militärs mußte sich das Regime vor dem eigenen Volk und der ganzen Welt durch ein paar junge Guerilleros blamieren lassen.

FDP:: Koalitions-Preise

Die FDP hat auf ihrem Wahlkongreß in der Essener Grugahalle am lernen Wochenende erneut ihren Willen bekräftigt, der Großen Koalition ein Ende zu bereiten.

Die Schlacht am Golf

Ist im Nahen Osten der nächste Krieg in Sicht? Mit der neuen israelischen Attacke gegen die ägyptische Front hat die Auseinandersetzung zwischen Israelis und Arabern eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Nordirland:: Krisenangst

In Belfast und anderen nordirischen Städten geht wieder die Angst um. Benzinbomben-Attentate und Heckenschützen-Überfälle brachten die Spannungen zwischen Katholiken und Protestanten wieder auf den Siedepunkt.

Odyssee der Vernunft in die Natur

Beim letzten Zusammensein, vor wenigen Wochen, erzählte Adorno eine Geschichte von Chaplins unnachahmlichem Talent. Es war nach dem Kriege, in Hollywood, auf einer Party für den Hauptdarsteller des Films "Die besten Jahre unseres Lebens", einen Kriegsverletzten, der beide Hände verloren hatte.

Kultur aus Frankfurt

Es hatte alles zufällig und recht bescheiden damit angefangen, daß der im Vergleich kleine Hessische Rundfunk durch seine geographische Lage dazu bestimmt wurde, zur Frankfurter Buchmesse einen Fernsehfilm zu produzieren.

Warum nur, warum?

Die einen hatten in der einen Arena ihren "U-we, U-we, U-we", die anderen in der anderen Arena haben ihren "U-do, U-do, U-do".

DIE NEUE SCHALLPLATTE

England im 19. und frühen 20. Jahrhundert: das bedeutet ein reichhaltiges und vielfältiges reproduzierendes Musikleben, aber kaum einen ernst zu nehmenden Komponisten.

Gegen die Forderung, aus dem Museum ein "experimentelles Spielfeld für junge Kunst" zu machen, polemisierte Werner Haftmann in seiner Rede zur Jahrhundertfeier der Hamburger Kunsthalle. Ein Kollege antwortet ihm.: Der Auftrag lautet Gegenwart

In seiner Hamburger Rede hat Werner Haftmann einen sehr schönen Satz gesagt: "Das Museum eifre dem Künstler nach, indem es das, worin eine erlebte vollständige Wirklichkeitserfahrung sich als Bild entwirft, bei sich versammelt und ihre Neuartigkeit und Besonderheit durch den Vergleich mit früheren Leistungen vollends sichtbar macht.

Kunstkalender

Amerikanisches Action Painting als Hintergrund zum niedersächsischen Staatsempfang für Heinemann, eine schöne Geste von Urbanität und Toleranz, auch wenn das Protokoll nichts derartiges geplant hatte; der Riesenraum der Orangerie dient gelegentlich als Ausweichquartier für den Kunstverein, man kann sich vorstellen, was Heinemanns Vorgänger zu solchen Bildern gesagt hätte.

Fernsehen: Teiresias in Segeberg

Man kann den König Oedipus mit Hilfe von Stilisierung und Abstraktion inszenieren. Dann tritt die mathematische Struktur des Dramas hervor, das Wechselspiel von Schein und Sein gewinnt an Deutlichkeit, die gleichsam am Reißbrett erdachte Komposition dieses Schauspiels wird sichtbar: Der blind als König war, gewinnt als Blinder die Königswürde des Wissens; der als ob sagte (ich will so handeln, erklärt Oedipus am Anfang des Stückes, als ob ich selbst betroffen wäre), wird gezwungen, seine Identität festzustellen.

FILMTIPS

"Toni" (1934), von Jean Renoir. Einer der schönsten Vorkriegsfilme von Jean Renoir, das heißt, einer der schönsten Filme überhaupt.

ZEITMOSAIK

Fachleute kannten seinen Namen, selbstverständlich; die Mehrzahl der Menschen hatte nie von ihm gehört, obwohl sie Vasen und Schalen besitzt, die er für das Fließband einer ausgezeichneten keramischen Fabrik entworfen hatte und die im stilistischen Durcheinander der Nierentischepoche die ornamentlose Einfachheit moderner Formen repräsentierten; am 5.

Die Weiße Rose von Hamburg

Als Johann Hinrich Wichern 1833 das "Rauhe Haus" in Horn gründete, lag Horn noch nicht in, es lag noch vor Hamburg; und damit Bestellungen und Waren zwischen Horn und Hamburg vermittelt werden könnten, richtete er Anfang der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in Hamburg eine Botenstelle ein – die "Agentur des Rauhen Hauses", in der Altstadt, Hahntrapp Nr.

Auch Novalis war ein Sexualdelinquent

In meinem Buch "Wer wirft den ersten Stein?" hatte ich, wo es um "Unzucht mit Minderjährigen und Abhängigen" ging, geschrieben: ".

Geschwafel schwefeln

Aber ist "Hyle" nun wirklich ein Dada-Roman? Raoul Hausmann gehört zu den Gründern des Berliner Dada, also müßte, wenn er schon einen Roman schreibt, ein Dada-Roman dabei herauskommen.

KRITIK IN KÜRZE

"Nellie", Roman von Audrey G. Maas. Fünf verschiedene Erzähler – der Maler, der Schriftsteller, der Agent, der Schauspieler und der Lehrer – schildern in fünf Kapiteln ihre Beziehung zu Nellie, dem seltsamen jungen Mädchen, das davon träumte, eine berühmte Sängerin zu werden.

Ein uralter, ungealterter Traum

Seine Schriften sind nicht theoretisch wie die Sartres. Sie bieten keine Ideologie der Revolution, aber sie können einen darüber belehren.

Zadek macht Kadang

Der Autor: Edward Bond, Jahrgang 1934, aus einer Londoner Arbeiterfamilie stammend, wurde bekannt durch das Stück "Gerettet".

Filmluftschlacht

In der schleswig-holsteinischen Kleinstadt Uetersen an der Pinnau fand sich in der vorigen Woche eines Morgens Peter Townsend ein, Oberst a.

An der Kasse scheitern viele Pläne

Alex Möller, stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, ist bereit, eine Wette einzugehen: "Ich verpflichte mich, in vier Jahren wieder mit Ihnen zusammenzukommen und Ihnen zu zeigen, daß wir das alles noch viel besser haben lösen können, als sich das aus dem Papier und aus der Bewertung der jetzigen Lage ergibt.

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